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4 (1827)
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Der sechste Psalm.

ringen Anfechtungen wir gewohnen sollen, zu Gottt wider Gottzu fliehen.

V. 3. Herr, sey mir gnadig, denn ich bin schwach; heile mich,Herr, denn meine Gebeine sind erschrocken.

Als wollte er sagen.- das Erschrecken deines Zorns ist mach-tiger, denn ich es leiden kann, und wo du mir nicht Gnade dei-ner Kraft mittheilest, so muß ich verzweifeln und gantz verderben.Also sagt auch Hiob, Cap. 9, 13: Er ist Gott, seinen Zornkann niemand stillen, unter ihm müssen sich beugen die stoltzcnHerren. Und Moses spricht in seinem Psalm, Ps. 90, 11..-glaubet es aber, daß du so zürnest, und wer fürchtet sich vor sol-chem Grimm!

V. 4. Und meine Seele ist sehr erschrocken. Ach du Herr, wieso lange?

Kurtz zu reden, menschliche Natur kann es nicht ertragen,daß diese Anfechtung lange wahre, auch nur eine kleine Zeit,kann sie auch nicht gantz fassen, sondern schmecket auch nur etlicheTröpflein davon. Also saget man auch wiederum von denen, dieentzückt werden und fühlen einen Geschmack himmlischer Freuden,daß dieselben auch kaum ein Tröpflein davon empfinden, sintemalbiß Leben die Reichthümer der Wollust jenes Lebens nicht leidenkann. Wenn diese Bewegung des Hertzens, es sey Freude, oderLeid, überhand nimmt, oder sich zu lang verziehet, meynen sie,die Seele muß sich vom Leibe scheiden, es sey denn, daß einMirackel oder Wunderzeichen göttlicher Kraft vorhanden sey. Dar-um mit diesen Worten: Ach Herr, wie lange? zeiget er klarlichan das unaussprechliche Seufzen des inwendigen Geistes deß, derin solcher Anfechtung stecket. Folget weiter im Psalm.-

V. Z. Wende dich, Herr, und errette meine Seele, hilf mirum deiner Güte Willen.

Der Prophet zeiget hier fein an die Kraft der Hoffnung, indem, daß er nichts anders, denn Gottes Güte und Barmhertzig-keit vor seinen Augen stellet und spricht: Hilf mir um deinerGüte willen. Als wollte er sagen: Nicht um meiner Verdienstewillen, welche, wie gar nichts sie sind, beweiset genugsam, undmehr denn zu viel, dieses Erschrecken über deinem Zorn und dieerschrockenen Gebeine und Schwermuth meines Hertzens und mei-ner Seele. Darum so hilf mir um deiner Güte willen, auf daßdir deine Ehre und das Lob deiner Barmhertzigkeit bestehe inmeiner Errettung ewiglich. Denn ob ich wol nicht würdig bin,daß ich errettet und erlöset werde, so bist du doch würdig, deck