Der sechste Psalm.
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Seele, wie sie angeklagt und fast erschrecklich beschuldiget sey,also, daß sie beraubet ist aller Hoffnung und Trostes und stehetallda allein vor dem ewigen, zornigen Gerichtsstuhl Gottes. Da-von saget Hiob, Cap. 9, 2, 3, also- Ja, ich weiß fast wohl, daßes also ist, daß ein Mensch nicht rechtfertig bestehen mag gegenGott. Hat er Lust, mit ihm zu hadern, so kann er ihm auftausend nicht eins antworten; denn er muß verstummen, gleichwie jener im Evangelio, der kein hochzeitlich Kleid anhatte. Damuß denn die Seele hören, wie derselbige hören mußte: Bindetihm Hände und Füsse, und werfet ihn in das ausserste Finster-niß, da wird seyn Heulen und Zahnklappen. Matth. 22, 13.
Das ist es, was hier der Prophet bittet: Herr, strafe michnicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm.Denn wenn das Gewissen gestrafet und überwunden wird, fühletes sobald nichts anders, denn das ihm die ewige Verdammnißvorgestellet und gedrauet werde. Diese hohe Anfechtung wirdkein Mensch verstehen, (wie denn auch noch wohl geringere,) essev denn, daß er es geschmecket und gefählet habe; darum könnenwir nach seiner Würde nicht davon handeln. Der heilige Hiobhat diese Anfechtung vor andern erlitten und dasselbige oft, dar-nach David auch und der König Ezechias, Jesai. 38, l0 ?c., undzwar fast wenige andere. Johannes Taulerus gedencket auch desgrossen Zagens und Bebens des Hertzens, so diejenigen fühlen,welche diese Anfechtung leiden, oft in seinen Predigten.
So lehret uns nun dieser Psalm, wenn irgend einer mitdieser Anfechtung gequalet wird, daß er nirgend hin Zuflucht ba-den soll, denn zu dem zornigen Herrn selbst; aber das ist fastschwer und mühsam, und ist allenthalben, glauben auf Hoffnung,da nichts zu hoffen ist, Röm. 4, 18, und gantzlich wider unmög-liche Dinge streben, so viel, als das zagende Hertz fühlet, da einsolcher jammerlicher, erbärmlicher Kampf und Streit vorhan-den ist.
Derohalben, welche nicht in geringen Anfechtungen gelernethaben, zu fliehen zu dem, der sie schlagt, das ist, zu Gott, wiewir hin und wieder in den Propheten gelehret werden, also zuthun, weil Gott alles thut: wie wollen sie in solcher grossen,schrecklichen Angst zu Gott fliehen, da das Gewissen eigentlichund gewiß fühlet, daß es Gott selbst thue? Darum sind alleandere Anfechtungen Kinderspiele und nur ein Vorfechten dieserschweren und schrecklichen Angst und Anfechtung, in welchen ge-
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