Jesaia 40.- 75
empfinde ich nicht; vielmehr empfinde ich das Gegentheil. Widerdiese Neigung zur Verzweiflung tröstet uns der Prophet und ver-weifet uns auf das Wort.
V. 28. Weissest du nicht? Hast du nicht gehöret? Alswollte er sagenDu darfst von deiner Gerechtigkeit nicht nachdem äußerlichen Ansehen, aus deiner Empfindung urtheilen, denndieses Urtheil wird dich betrügen; sondern stütze dich allein aufdas Wort, daß du dasjenige durch das Wort ergreiffest, was duin der That nicht vermagst. Dieses Wort setze dem Tod, derSünde, der Hölle und allen Nebeln entgegen, so wirst du gewißerlöset werden. Es ist aber leichte, ein Wort glauben; aber glau-ben, daß es Gottes, des Herrn Wort sev, das ist dem Fleischeüberaus schwer, ja gantz unmöglich. Wenn aber die Hertzen über-redet sind, daß es Gottes Wort sey, welches Erlösung von Sündeund Gefahr verbeisset, alsdenn sind sie bereit, den Tod und al-les Nebel zu erdulden, weil sie hernach also schließen: Gott hates gesagt, der wird dich nicht betrügen; er ist allmachtig, derowe-gen kann er dir das ewige Leben für dieses leibliche geben, under will es auch geben, weil er es verheißen hat. Man muß aberdieses mit Fleiß mercken, daß er spricht: Hast du nicht gehöret?Denn er verweiset auf das äußerliche Wort und spricht: Ichbin auf eine Zeltlang schwach. Deswegen aber gebe ich dir dasWort in deinen Mund und in dein Hertz, daß du im Worte le-best, ob sichs gleich äußerlich nicht dafür ansehen läßt und ob dues gleich mcht empfindest. Wo wir also nicht das Wort in derVersuchung ergreiffen, so werden wir durch die Empfindung desgegenwartigen Nebels überwunden werden und unterliegen.
Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erdegeschaffen hat, wird nicht müde, noch matt, sein Ver-stand ist unausforschlich.
Das ist ein grosser Trost; als wollte er sagen: Siehe aufmich, der ich ewig bin, nicht auf deine Schwäche. Empfindest du,daß du müde bist, ich will dich stärcken. Fühlest du deine Feinde,deine Sünde, deine überhandnehmende Dürftigkeit: ich will dirbeystehen und deine Feinde zu Falle bringen, du aber sollst stehen^ bleiben. Allein dieses alles ist also gevedt, daß sich in der Thatund in der Erfahrung das Widerspiel ansehen läßt. Derowegenerinnert er: Hast du nicht gehöret? Als wollte er sagen: DasWort verheißet dir dieses, und ich will, daß du demselben glau-best; mit der Empfindung wirst du es nicht begreiffen, nach derEmpfindung wird dir das Widerspiel widerfahren. Derohalben