Druckschrift 
4 (1827)
Entstehung
Seite
74
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74 Jesaia 40.

nung sieben, als wollte er sagen.- Eure Gerechtigkeit ist eine gantzandere Gerechtigkeit, als daß sie sollte eine weltliche Gerechtigkeitseyn, welche einem Tropffen im Eymer und einem kleinen Staub-lein gleich ist. Gleichwie aber die Sterne unendlich sind und vomAnfang der Welt bis hieher gedauert haben.- also ist eure Gerech-tigkeit weit grösser, als jener ihre, sie kann in keine Grentzen ein-geschlossen werden, und wird für und für dauern-, denn sie rüh-ret nicht von euch her, sondern derjenige hat sie euch mitgetheiletund aus Gnaden und umsonst geschencket, der dieses dauerhafteGebäude des Himmels geschaffen hat. Also tragen uns die Pro-pheten die einige Gerechtigkeit Ehristi vor, auf welche wir unssicher verlassen können; auf unsere Gerechtigkeit können wir nichttrauen.

Der sie alle mit Namen ruffet, sein Vermögen undftarcke Kraft ist so groß, daß es nicht an einem fehlenkann.

Damit zeiget er an die unendliche Zahl und Kraft, daß vonso viel hundert Jahren her nicht ein einiger Stern matt wordenoder verdorben sey. Und so ist auch die Gerechtigkeit der Glau-bigen beschaffen; sie ist von unendlicher Grösse und Kraft, weilsie nicht unser, sondern Gottes ist, denn Christus ist unsere Ge-rechtigkeit, wie Paulus spricht, 1. Cor. l, 30.

V, 27. Warum sprichst du denn, Jacob, und du Israel sagest?

Hier machet er die Deutung auf das Gleichniß, damit eruns die reiche Gerechtigkeit, welche die Glaubigen haben, ange-priesen hat. Er schilt aber unfern Unglauben, daß wir so lang-sam zum glauben und so kleinmüthig sind.

Mein Weg ist dem Herrn verborgen und mein Rechtgehet vor meinem Gott über.

Diese Stelle kann auf doppelte Weise angenommen werden.Erstlich von dem Wege, den wir uns durch unsere Kräfte berei-ten, als wollten die erschrockenen und furchtsamen Seelen sagen:Gott nimmt für die Gerechtigkeit keine Wercke an, derowegen istdas übrig, daß ich verzweifle, denn ich kann mir selbst weder ra-then, noch helfen. Die andere Meynung ist bequemer, daß manes also verstehe, der Prophet rede von demjenigen Wege, den eroben zu bereiten befohlen hat, gleich als wollten die schwachenSeelen sagen: Das Wort verheisset zwar die Gerechtigkeit, aberdas Gewissen sagt was ganz anders, in welchem ich die Sündeund den Tod empfinde, die mim erschrecken. Also ist mein Wegverborgen, das ist, die Gerechtigkeit, welche das Wort verheisset,