Druckschrift 
4 (1827)
Entstehung
Seite
60
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60 Jesaia 40.

net uns Ketzer, verbrennet uns mit Feuer und wütet mit allenArten derer Leib- und Lebensstrafen wider diejenigen, so da sagen,die Ritterschaft habe ein Ende.

Denn ihre Missethat ist vergeben.

Was wollen hier die Verlheidiger des freyen Willens undder Verdienste sagen? Der vorhergehende Theil hebt alles Thunund Wercke, alle Gerechtigkeit ausser der Gnade, als unnütze, dieVergebung der Sünden damit zu verdienen, auf. Hier aberverspricht er die Vergebung der Sünden schlechterdings umsonstund aus Gnaden, ohne alle Wercke. Also kömmt die Vergebungder Sünden nicht an aufs Wirken, noch auch, daß man dasGesetz lehret oder thut; sondern schlechterdings auf eine gnadigeSchenckung und Erlassung. Und diesen Spruch muß man flechsigmercken. Denn wenn die durch Vorstellung der Sünden unddurch das Gerichte Gottes erschrockenen Gewissen das Gesetz em-pfinden, so sollen wir unsere Zuflucht nicht zu unserem Thunund Wercken nehmen. Denn die Sünde kann nicht durch un-sere Wercke überwunden werden. Die.nun aus Verzweiflungentweder Gelübden lhun, oder Wallfahrten anstellen, oder eineneue Lebensart wählen, um dadurch den Zorn Gottes zu über-winden, die Haufen Sünde mit Sünde. Es wird eine höhereKraft, eine größere Macht zu Ueberwindung der Sünde erfordert.Demnach müssen die bekümmerten Seelen also unterrichtet wer-den, daß sie erstlich die Ritterschaft enden und ablegen, und alleHoffnung von ihrem Verdienste wegwerfen. Darnach, daß sieauf dieses Wort sehen.- Ihre Missethat ist vergeben, und sich aufChristum werfen, der für uns ein Fluch worden ist, auf daß eruns von dem Fluche erlösete, Gal. 3, 3, der deßwegen gelittenhat und gecreutziget worden, daß, nachdem unsere Sünden über-wunden, wir gerecht im Glauben leben möchten, als die da ver-söhnet sind mit dem Vater durch das Blut des Sohnes, und ge-recht gesprochen worder. durch den Glauben an den Sohn w. Dasist unsere Lehre, von welcher wir wissen, daß sie kraftig sey, dieGewissen aufzurichten. So wird denn hieraus folgen, daß wirohne Gesetz, als Freye leben werden, und werden uns einbilden,daß uns unsere Sünden geschenckt sind. Ja, man muß gantzohne Gesetz leben, so viel die Gerechtfertigung anbetrifft. Denndas Gesetz hat einen gantz andern Nutzen, als daß es sollte ge-recht machen. Denn das Gesetz soll ein Zuchtmeister des Leibesseyn. Nun aber machen es die, so durch dasselbe die Gerechtig-keit suchen, zum Zuchtmeister des Gewissens. Aber so weit der