Druckschrift 
4 (1827)
Entstehung
Seite
40
Einzelbild herunterladen
 

40 Jesaia 26.

nicht auf unsere Wercke, sondern auf Christi Verdienst setzen.Das ist das allersüsseste Andencken der Wohlthaten Christi, wel-ches nicht im Speculiren bestehet, dergleichen die Mönche dich-ten, sondern im ausserlichen Rühmen, welches durch das öffent-liche Predigen des Worts geschieht, welches wir taglich üben,gleichwie auch Paulus vermahnet: Lasset das Wort Christi untereuch reichlich wohnen in aller Weisheit, lehret und vermahneteuch selbst mit Psalmen und Lobgesangen und geistlichen liebli-chen Liedern, und singet dem Herrn in euren Hertzen. Und alleswas ihr thut, mit Worten oder mit Wercken, das thut alles indem Namen des Herrn Jesu, und dancket Gott und dem Vaterdurch ihn, Coloss. 3, 16. 17.

V. 9. Von Hertzen begehre ich dein des Nachts, darzu mitmeinem Geiste in mir wache ich frühe zu dir.

Er drücket hiermit die brennende Begierde wider die eckel-haften Schwatzer aus, in welchen nicht ein Funcken einer ernst-lichen Begierde ist, gleichwie wir an Erasmo sehen, welcher, wenner mit der heiligen Schrift umgehet, nichts als einen Sack vollleerer Worte vorbringet, nichts mit Affect weder lebret, nochsaget. Dergleichen sind heut zu Tage viel, welche, da doch nichtein Tropffen einer wahren Begierde in ihnen ist, gleichwohl un-sere und aller theologischen Sachen Nichter seyn wollen. Wenndiese wider den Satan kampffen sollen, so erfahren sie alsdenn erst,was sie vor Theologi seyn. Derowegen lasset euch doch, ihrmeine Vater und Brüder, diesen Text anbefohlen seyn und hüteteuch vor dem Eckel und Ueberdruß des Worts, damit ihr nichtjenen gleich werdet, welchen in der Wüsten vor dem Mannaeckelte. Denn das Wort Gottes ist eine Speise, wer sie isset,den hungert noch mehr darnach. Derowegen soll das Wort Got-tes reichlich unter uns seyn; aber überdrüßig sollen wir desselbennicht werden. Wir haben aber die gewissesten Verheissungen so-wohl, als Vertröstungen, daß uns das Wort nicht werde faulund unfruchtbar seyn lassen, wenn wir fleißig damit umgehen.Derowegen lasset uns mit desto grösserm Fleiß und brennenderBegierde auf dasselbe legen, und dem Eckel keine Statt geben,als wodurch uns der Satan versuchet.

Denn wo dein Neichthum im Lande gehet, so lernen dieEinwohner des Erdbodens Gerechtigkeit.

Das ist eine herrliche Stelle von der ausserlichen Predigtdes Worts, daß es nicht ohne Frucht sollte zurücke kommen. Ernennet es Rechte oder Gerichte, weil das Evangelium aller Men-