Jesaia 26.
Wenn die Weissagung aufhöret, so zerstreuet sich das Volck; dasist, wenn das Wort aufhöret, so folgen Rotten und Ketzer, diedas Volck zerstreuen. Derowegen vermahne ich euch zum öftern,betet doch steißig wider diese Versuchung, da man einen Eckelund Ueberdruß gegen das Wort hat, in welcher Versuchung die-jenigen stecken, die da von der Einbildung des Wissens aufgebla-sen sind und meynen, sie verstanden das Wort zur Genüge, undwerden sicher und aufgeblasen; gleichwie wir dieses an den Sa-cramentirern und Wiedertäufern sehen, die da geschwind Meisterworden sind, das Wort als eine bekannte Sache verlassen undneue Meinungen ausgedacht haben, welche sie sich dermaasseneinnehmen lassen, daß sie sowohl vom Glauben, als von derLiebe gefallen sind. So gehet es mit denenjenigen, die in einemJahre geschwind Doctores und Magistri werden. Es ist aberein schrecklicher Fall, Denn sobald als wir des Wortes satt undüberdrüßig sind, so ist entweder der Tod der Seelen selbst, oderdoch die Gelegenheit zu selbigem da, und wir stehen an^er Pfortedes Todes. Daher spricht der Prophet: Wir warten auf dich,Herr, im Wege deines Rechten. Denn rechtschaffne Seelenhir-ten in der Kirche erhalten ihr Volck bey dem Worte. Ferner,so ist es nachdrücklich geredet: Wir warten auf dich; als wollteer sagen: Wir sehen dich zwar nicht, sondern haben das blosseWort, darauf wir uns verlassen. Wir gehen daher in Vertrauenund Hoffnung, welche wir durch den Weg deines Rechten un-terhalten :c.
Des Hertzens Lust stehet zu deinem Namen und zu dei-nem Gedachtniß.
Des Hertzens Lust, so nennet er das Verlangen, so ausdem Grunde des Hertzens und aus innerster Begierde herkömmt,daß in uns ein Verlangen ist, nicht nach unserm Namen, son-dern nach den Wohlthaten, die uns Gott erwiesen hat, daß wiran dieselbigen gedencken, und durch deren Erinnerung uns zurDancksagung erwecken. Das Gedachtniß des Namens des Herrnim Gesetz war, daß er sie aus Egypten geführet hatte. Heut zuTage, im Neuen Testament, ist das Gedachtniß und Name desHerrn, daß er seines eigenen Sohnes nicht verschonet hat, son-dern ihn für uns alle dahin gegeben hat. Dieses Gedachtniß,diese Wohlthat preisen wir, nicht allein in den Predigten mit der3unge, sondern auch aus Hertzens Lust, weil wir glauben, Chri-stus sey unsere Weisheit, unsere Gerechtigkeit, unsere Heiligungund Auferstehung, 1. Cor. 1, 30., daß wir also unser Vertrauen