Jesaia 11.
neues Capitel an, und verknüpffet mit der leiblichen Verheissungeine Weissagung von dem zukünftigen Reiche Christi, wie eswerde beschassen seyn, was es vor ein Reich, was es vor einKönig und was vor Unterthanen seyn sollen ?c. w.
V. 1. Und es wird eine Ruthe aufgehen von dem StammeJsai, und ein Zweig aus seiner Wurtzel Frucht bringen.
Das ist eine treffliche Stelle vom Reiche Christi, welchen ereinen auserlesenen Zweig nennt, damit er uns den Anfang desausgehenden«-geistlichen Reichs Christi zeige. Denn da gehet esnicht, wie in weltlichen Reichen, zu. Da vereinigt sich erst einVolck; aber dieser König wird geboren werden, ehe denn er einVolck hat, und es wird ein einziger Zweig seyn, der aus einerWurtzel, oder von einem verdorreten und erstorbenen Stammeaufgehen wird. Diese Wurtzel ist der Stamm Jsai, das istDavid selbst, in welchem er alle Verheissungen zusammenfasset.Wenn diese Wurtzel alle Hoffnung wird verloren haben, alsdannwird Christus von derselben aufgehen. Das ist aber eine verdeckteBeschreibung der Zeit, wenn Christus hat müssen geboren werden;nemlich alsdann, wenn gedachter Stamm oder Wurtzel alle Hoff-nung verloren hätte, nemlich, nachdem sie das Königreich bereitsverloren, wie 1. Mos. 49, 10. stehet: Es wird das Zepter vonZuda nicht entwendet werden, noch ein Meister von seinen Füs-sen, bis daß der Held komme; dem werden sie anhangen. Eshatte aber der Stamm damals alle Hoffnung verloren, da Hers-tes König war, und die Römer sich auch das Priesterthum an-gemaasset hatten und dasselbe nach ihrem Gefallen, wem sie woll-ten verkauften. Also war beydes, sowohl das Königreich, alsdas Priesterthum, zu der Zeit, da Christus geboren ward, ver-loren und das Haus Davids und das Königreich waren in derThat ein erstorbener Stamm- Ferner ist dieses ein kurtzer Inbe-griff der gantzen Theologie und der göttlichen Wercke, daß Chri-stus nicht eher kam, bis der Stamm erstorben und gantz ohneHoffnung war: daß also, wenn alle Hoffnung aus ist, daß dieZeit des Heils sey, und man glauben soll, Gott sey alsdann amallernächsten, wenn er am weitesten entfernt zu seyn scheinet.Also hat er zu dieser unserer Zeit bey der höchsten Tyranney desPapsts das Licht des Evangelii gegeben. Einige legen die Wur-zel für die Jungfrau Maria aus. Das ist zwar eine gar andach-tige Meynung; aber es scheint bequemer zu seyn, wenn man esauf den gantzen Stamm Juda ziehet.
V. 2. Auf welchem wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist