Jesaia
11
sind irrige und verdammte Wege. Mercke aber wohl, das Wortwird lehren. Denn Christen sind stets Schüler.
Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen und des HerrnWort von Jerusalem.
Das ist die Ursach der Vermehrung der Kirche und Erwei-terung des Reichs Christi, nemlich die Predigt des Evangelii.Denn er verheisset hier ein neues Wort. Denn wenn er nichteine neue Lehre andeutete, was wäre es nöthig, das Gesetz aufsneue zu verheissen, welches so viele Jahre vorher gegeben war?Und er zeiget den Unterschied deutlich an, wenn er hinzusetzt: vonZion, als wollte er sagen.- Vorher habe ich das Gesetz auf demBerge Sinai gegeben, nun will ich ein anderes geben auf demBerge Zion, welches nicht eine Lehre der Wercke seyn wird, son-dern des Glaubens; nicht der Gesetze, sondern der Gnade; nichtdas da anklaget, sondern die Vergebung der Sünden mittheilet.
V- 4. Und er wird richten unter denen Heyden und strafenviel Völcker.
In Zion wird sich zwar diese neue Predigt anfangen, abernicht innerhalb Zion stehen bleiben, sondern wird auch unter dieHeyden ausgebreitet werden, und dieselben richten und strafen,wie Christus beym Johanne sagt 1t, 8: Der Geist wird dieWelt strafen um die Sünde. Denn dieses ist das Gerichte, daßsie sich für Sünder erkennen, und daß sie aus Gottes gerechtemGerichte zum ewigen Tode bestimmt seyn.
Da werden sie ihre Schwerdter zu Pflugschaaren undihre Spiesse zu Sicheln machen. Denn es wird keinVolck wider das andere ein Schwerdt aufheben, undwerden fort nicht mehr kriegen lernen.
Christus lasset uns nicht in denenjenigen Schrecken, welchedie Predigt der Busse in den Seelen der Frommen verursachet,sondern er thut ein fremdes Werck, damit er sein Werck thunwoge. Anfangs tödtete er durchs Gesetz, damit die neue Pre-digt der Gnaden lebendig mache, in welcher die Vergebung derSünden durch sein Blut allen, die an ihn glauben, angebotenwird, Rom. 5, 1. ff. Das ist es, wenn der Prophet alhier miteiner geschickten Figur den Frieden beschreibet, welcher weder imHertzen, noch von aussen mit andern seyn kann, wenn die See-len nicht von der Vergebung der Sünden vergewissert seyn. Eskann aber kein besser Mittel, die Uneinigkeit aufzuheben, gefun-den werden, als dieses ist, das Christus gebraucht, welcher durcheinen Ausspruch alle zugleich der Sünden wegen anklaget und
V»»
Ä