Jesaia 9
Gewalt zum Wort des Evangelii genöthiget, sondern sie nöthigenund dringen sich selbst darzu :c. Indem er spricht: alle Völcker,ist solches nicht also zu verstehen, daß alle Völcker sollten bekeh-ret werden. Dieses ist zwar der im Wort geoffenbarte WilleGottes, daß er alle will selig machen, 1. Tim. 2, 4., und deß-wegen wird das Evangelium in der gantzen Welt ausgebreitet,daß kein Ort ist, an welchem nicht das Evangelium gepredigetwird; aber wiewohl nicht alle das Evangelium annehmen, den-noch werden überall etliche bekehret. Denn das Evangelium wirdnicht vergeblich geprediget, sondern es heiliget und schasset Fruchtan allen Orten, wie der Prophet unten im 55. Capitel, 10. sa-gen wird. Demnach dienet diese Stelle denen Dienern desWorts zu ihrer Bekräftigung, daß sie an dem glücklichen Fort-gange des Worts nicht verzweifeln, wenn sie sehen, daß wenigedas Wort annehmen. Denn durch das Amt des Worts kommentaglich mehr Glaubige zur Kirche herbey.
V. 3. Und viel Völcker werden hingehen und sagen: Kommet,lasset uns auf den Berg des Herrn gehen, zum Hausedes Gottes Jacob, daß er uns lehre seine Wege und wirwandeln auf seinen Steigen.
Hier stehest du den Dienst, die Wercke, die Bemühungenund Opffer der Christen. Sie rühmen sich nicht, daß sie dieseund jene Wercke thun wollen; sie richten nicht neue Lebensarten,neue Kleidertracht :c. auf, sondern das halten sie für ihr einigesWerck, daß sie gehen, zu hören und zu lernen. Es werden nichtdie Hände, nicht die Augen :c. erfordert, sondern die Ohren unddas Hertz; die übrigen Glieder alle sollen dem Nächsten dienen.Diese zwei), sage ich, die Ohren und das Hertz, sollen Gott alleindienen. Denn dieses Reich bestehet allein im Wort, und dieje-nigen gehören allein zu diesem Reich, die das Wort stets ge-brauchen und stets Schüler des Worts bleiben. Die übrigen,als die Rottengeister und Ketzer sind, nachdem sie einmal dasEvangelium gehöret haben, so werden sie gleich Meister, undandern die Worte dieses Propheten und sagen: Kommt, lassetuns hinaufsteigen, daß wir ihn seine Wege lehren und auf un-fern Wegen wandeln. Also haben sie einen Eckel vor dem Worte,als vor einer bekannten Sache, und suchen neue Streitfragen,in welchen sie ihren Verstand zeigen und sich bei dem Volcke be-gebt machen mögen. Aber die Christen wissen, daß die Wortedes Heiligen Geistes, so lange wir in diesem Fleische sind, nichtvollkommen können gelernet werden. Denn das Christenthum