Daß man die Kinder zur Schule halten soll. 2^5
gewest, und ja gewißlich allzumal Schüler gewest sind, und sichdurch die Feder so empor geschwungen und aufgeflogen, daß sieHerren sind; wie dieser Psalm sagt, und wie die Fürsten, Landund Leute regieren helfen. Gott wills nicht haben, daß geborneKönige, Fürsten, Herren und Adel sollen alle regieren und Herrenseyn, er will auch seine Bettler dabey haben; sie dachten sonst, dieedele Geburt machte allein Herren und Regenten, und nicht Gott alleine.
Man spricht, und ist die Wahrheit, der Pabst ist auch einSchüler gewest. Darum verachte mir nicht die Gesellen, die vorder Thür panem propter Daum sagen, und den Brodreigen singen;du hörest (wie dieser Psalm sagt,) grosse Fürsten und Herren singen:Ich bin auch ein solcher Parteckenhengst gewest, und habe das Vrodvor den Hausern genommen, sonderlich zu Eisenach, in meiner lie-ben Stadt; wiewol mich hernach mein lieber Vater mit aller Liebeund Treue in der hohen Schulen zu Erssurt hielt, und durch seinensauren Schweiß und Arbeit dahin geholfen hat, da ich hinkommenbin; aber dennoch bin ich ein Parteckenhengst gewest, und nach die-sem Psalm, durch die Schreibeseder so fern kommen, daß ich jetztnicht wollte mit dem Türckischen Kayser beuten, daß ich sein Gutsollte haben, und meiner Kunst entbehren. Ja, ich wollte der WeltGut vielmal gehaust nicht dafür nehmen, und wäre doch ohne Zwei-fel nicht dahin kommen, wo ich nicht in die Schule und ins Schrei-behandwerck wäre gerathcn. Darum laß deinen Sohn getrost stu-dieren, und sollte er auch dieweil nach Brod gehen, so gibst du un-serm Herrn Gott ein feines Höltzlein, da er dir einen Herrn ausschnitzen kann. Es wird doch dabey bleiben, daß dein und meinSohn, das ist, gemeiner Leute Kinder, werden die Welt müssenregieren, beyde in geistlichem und weltlichem Stande, wie dieserPsalm zeuget. Denn die reichen Geitzwänste könnens und wollensnicht thun, sie sind des Mammons Cartheuser und Mönche, deßmüssen sie Tag und Nacht warten; so Vermögens die gebornenFürsten und Herren alleine nicht, und sonderlich vermögen sie dasgeistliche Amt gar nichts verstehen. Also muß wohl beydes Regi-ment auf Erden bleiben bey den armen, mittelmäßigen und gemei-nen Leuten, und bey ihren Kindern.
Und kehre dich nichts dran, daß jetzt der gemeine Geitzwanstdie Kunst so hoch vcracht, und sprechen: Ha, wenn mein SohnSeutsch schreiben, lesen und rechnen kann, so kann er genug, ichwill ihn zum Kaufmann thun; sie sollen in Kürze so körre werden,daß jie einen Gelehrten gern aus der Erden zehen Ellen tief mitden Fingern graben: denn der Kaufmann soll mir nicht lange Kauf-mann seyn, wo die Predigt und Recht fallen. Das weiß ich für-