23 4 Daß man die Kinder zur Schule hatten soll.
ist wahr, ist auch kein Handzeug unter allen Handwercken baß zuerzeugen, denn der Schreiberey; denn sie bedarf allein der GanseFittig, der man umsonst allenthalben gnug findet: aber es mußgleichwol das beste Stücke (als der Kopf), und das edelste Glied(als die Zunge), und das edelste Werck (als die Rede), so amMenschen Leibe sind, hier herhalten und am meisten arbeiten, dasonst bey andern entweder die Faust, Füsse, Nucken, oder dergleichenGlied allein arbeiten, und können darneben fröhlich singen und frcysichertzen, das ein Schreiber wol lassen muß. Drey Finger thuns,(sagt man von Schreibern,) aber gantz Leib und Seele arbeiten dran.
Ich habe von dem löblichen theuren Kayser Maximilian hörensagen, wenn die grossen Hannsen darum murreten, daß er derSchreiber so viel brauchte zu Botschaften und sonst, daß er soll ge-sagt haben: Wie soll ich thun? Sie wollen sich nicht brauchen las-sen, so muß ich Schreiber darzu nehmen? Und weiter: Ritter kannich machen, aber Doctores kann ich nicht machen. So habe ichauch von einem feinen Edelmanns gehöret, daß er sagte: Ich willmeinen Sohn lassen studieren, es ist nicht grosse Kunst, zwey Beineüber ein Roß hangen und Reuter werden, das hat er mir bald ge-lernt; und ist fein und wohl geredt.
Das will ich abermal nicht zu Verachtung des reisigen Stan-des, noch einiges andern Standes, sondern wider die losen Scharr-hannsen gesagt haben, die alle Lehre und Kunst verachten, undnichts rühmen können, denn daß sie Harnisch führen, und zweyBeine über ein Roß hangen; wiewol sie solches selten thun müssen,und dafür das gantze Jahr Gemach, Lust, Freude, Ehre und Gu-tes gnug haben. Es ist wol wahr, Kunst ist leicht zu tragen, (sagtman,) und Harnisch schwer zu tragen: aber wiederum, ist Harnischführen bald gelernet; aber Kunst ist nicht bald gelernet, und nichtleicht zu üben und zu brauchen. Und daß ich dieses Gewascheseinmal ein Ende mache, so sollen wir wissen, daß Gott ein wun-derlicher Herr ist: sein Handwerck ist, aus Bettlern Herren machen,gleichwie er aus nichts alle Dinge macht; solch Handwerck wird ihmniemand legen, noch hindern, er lasset gar herrlich in aller Weltvon sich singen, Pf. 113, Z. sqq. Wer ist wie der Herr, der sohoch sitzet, und so tief herunter stehet? der den Geringen aufrichtetaus dem Staube, und erhöhet den Armen aus dem Koth, daß erihn sitzen lasse unter den Fürsten, ja unter den Fürsten seinesVolcks? Siehe dich um an aller Könige und Fürsten Höfen, undin Städten und Pfarren; was gilts, ob nicht dieser Psalm mitvielen starcken Exempeln drinnen regieret? Da wirst du finden Ju-risten, Doctores, Rathe, Schreiber, Prediger, die gemeiniglich arm