23V Daß man die Kinder zur Schule halten solle.
verachten. Da siehe, Kayser und Könige müssen Canzler und Schreider, Rache, Juristen und Gelehrte haben: Kein Fürst ist, er mußCanzler, Juristen, Rache, Gelehrte und Schreiber haben: also auchalle Grafen, Herren, Städte, Schlösser, müssen Syndicus, Staduschreibet und sonst Gelehrte haben: ist doch kein Edelmann, er mußeinen Schreiber haben.
Und daß ich von gemeinen Gelehrten auch sage, wo sind nochdie Bergwercke, Kaufleute, Handthierer? Zahle doch, wie viel sindKönige, Fürsten, Grafen, Herren, Städte und Flecken w. Wo willman über drey Jahre doch gelehrte Leute nehmen, so allbereit hinund wieder der Mangel anhebet? Ich halte, wahrlich, Könige müs-sen Juristen, Fürsten müssen Canzler, Grafen und Herren müssenSchreiber, Bürgermeister müssen Küster werden.
Thut man hierzu nicht anders beyzeit, so müssen wir Tarternund Türken werden, oder wird wiederum ein ungelehrter Locat oderBachant ein Doctor und Rath zu Hofe werden. Darum halte ich,daß nie keine bessere Zeit gewesen sey zu ftustieren, denn jetzt; nichtallein deßhalben, daß die Kunst jetzt so reichlich und woblfeil vorhan-den ist, sondern auch, daß groß Gut und Ehre folgen muß, und die,so zu dieser Zeit studieren, werden theure Leute seyn, daß sich umeinen Gelehrten zween Fürsten und drey Städte reisten werden: denndu stehest ja über dich, oder um dich, so findest du, daß unzahligeAemter auf die Gelehrten warten, ehe noch zehn Jahre verlaufen,und doch wenig sind, die dazu gezogen werden.
Und ist nicht allein solch groß Gut auf solche Schulen undSchüler von Gott bestellet, ist dazu auch ein ehrlich göttlich Gut;denn es wird verdienet durch göttlichen, ehrlichen Stand, mit vielenherrlichen, guten, nützlichen Wercken, die Gott gefallen, und seinDienst Hoisten. Dagegen der Geitzwanst sein Gut mit Verachten(sinds nicht auch gottlose und sündliche Wercke) und mit feindseligenWercken erwirbt, darinn er kein fröhlich Gewissen haben, auch nichtsagen kann, daß es Gott gedienet Heisse. Nun wollte ich ja lieberzehen Gülden verdienen mit einem Werck, das Gottesdienst Hiesse,denn tausend Gülden mit einem Werck, das nicht GottesdienstHiesse, sondern allein mein eigener Nutz und Mammon wäre.
Ueber solches ehrliche Gut haben sie auch Ehre. Denn Canz-ler, Stadschreiber, Juristen, und das Volck in seinen Aemtern mußmit obenan sitzen, helfen rathen, und regieren, wie droben gejagt ist:und sie sind mit der That hier Herren auf Erden, ob sie es wohlder Person, Geburt und Standes halben nicht sind. Denn Danielspricht, er habe des Königes Werck müssen thun. Und ist auchwahr, ein Canzler muß Kayserliche, Königliche, Fürstliche Werste