206 Daß man die Kinder zur Schule halten soll.
unler solchem grossen Haufen Bürger, der Teufel auch seine Kunstnicht sollte versuchen, und etliche anfechten, daß sie das Wort Got-tes und die Schulen verachten, und sonderlich weil da Ursachen vielsind, (nemlich der Kaushandel,) die Kinder von der Schule zumDienst des Mammons zu kehren; und ohne Zweifel seine Gedan-cken dahin richtet, wenn er zu Nürnberg das Wort und die Schuleveracht hatte gemacht, so wäre ihm seines Anschlags nicht ein ge-ringes Stück gelungen: weil er damit ein Exempel hätte gestifftet,das im gantzen Deutschen Lande ein gewaltig Ansehen, und für-wabr allen Schulen in andern Städten einen harten Stoß thunwürde. Denn Nürnberg leuchtet wahrlich, in gantz Deutschland,wie eine Sonne unter Mond und Sternen, und gar kräftiglich an-dere Städte beweget, was daselbst im Schwange gehet. Aber Gottsev gelobet und gedancket, der des Teufels Gedancken lange zuvorkommen, und einen ehrbaren, fürsichtigen Rath eingegeben, einesolche feine, herrliche Schule zu stissten und anzurichten, mit grosserKost und Darlegung, die allerfeinesten Leute dazu erwählet undverordnet, daß freylich (ich will nicht zu hoch rühmen,) vorhin keinehohe Schule, wenns gleich Paris wäre, sowohl mit Legentcn ver-sorget gewesen ist; wie mir das zeugen müssen, so mit mir aufge-zogen sind in hohen Schulen. Denn ich weiß und habe ihre Kunstauch gelernet, und kann sie auch noch leider.' alle zu wohl. Dasmag doch ja ein herrlich fein Caiortsicnna sevn, und eine Tugendsolcher berühmten Stadt, und weit berufsen, einen weisen Rathähnlich und ehrlich, darinn sie ja Christlich und reichlich ihre Un-terthanen bedacht, und mit allen Treuen zu ihrem Heil ewiglichund auch zu Nutz und Ehren zeitlich gefordert haben. Welch WerckGott auch gewißlich mit reichem Segen und Gnaden stärcken wird,je länger je mehr, ob sich gleich der Teufel eine Zeitlang dawidersperren muß. Denn er kann ja nicht lustig darzu seyn, daß un-serm Herrn ein solch fein Tabernackel gebauet ist in dieser Sonne;er muß Wolcken, Nebel und Staub zusammen treiben, und allent-halben wehren, daß solcher Glantz ja nicht weit leuchte, oder dochja dunkel werde, wie sollte er anders thun?
Demnach hoffe ich auch, daß die Bürgerschaft werde solcherihrer Herren Treue und Liebe erkennen und mit Anhalten ihrerKinder zur Schulen, selch Werck Helsen redlich stärcken; weil siesehen, daß ohne ihre Kost, für ihre Kinder so reichlich und fleissiagesorget, und alles bestellet ist; sonderlich so es die Prediger weid-lich treiben. Denn wo es dieselbigen nicht treiben, da wird dergemeine Mann mit Gedancken vom Satan angesicktet und über