Daß Eltern die Kinder zur Ehe nicht zwingen w. 2U.5
ler baben von ihren Kindern geduldet, ohn ihren Willen, und dieSache Gott heimgeben.
Geschiehls aber weder menschlich noch Christlich, sondern teu-felisch; als, wenn der Vater mit Gewalt dringet zur Ehe, da keinHertz zu ist im Kinde, so dencke dasselbe Kind, der Türcke habe esgefangen, und müsse dem Feind zu Willen leben, oder wo es mag,so entrinne es, wie gesagt ist. Das sey diesmal zu einem Send-brief genug, es wird vielleicht die Sache selbst noch wohl mehr her-auszwingcn, wie man soll dem Recht nach, und nicht allein demEvangelio nach handeln. Im Monat May, Anno 1524.
D. M- Luthers Predigt, daß man die Kinder zurSchulen halten soll.
Dem Ehrbaren, Fürsichtigen, Lazaro Spengler, der Stadt NürnbergSyndico, meinem besondern lieben Herrn und Freunde.
^Vnade und Friede in Christo, unserm lieben Herrn und treuenHeylande, Amen.
Ehrbarer, Fürsschtiger, lieber Herr und Freund. Ich habeeinen Sermon gefasset an die Prediger, so hin und wieder sind, daßsie die Leute vermahnen, ihre Kinder zur Schulen zu halten, undist mir unter den Händen gewachsen, und schier ein Buch worden,wiewol ich mit Gewalt habe müssen mich aufhalten, daß es nichtallzu groß würde: so reich und voll ist solches Thema. Und wollteja gerne, daß er viel Nutzen schaffte; habe denselbigen auch untereurem Namen lassen ausgehen, keiner andern Meynung, denn daßer möchte damit desto mehr Ansehens haben, und wo er es Werth,auch bey euch unter euren Bürgern gelesen würde. Denn ob ichwol achten kann, daß eure Prediger hierinne steiffig genug seynwerden, und die Sachen (als von Gott hochbegnadete Leute,) so ken-nen und fördern, baß sie weder meines Vermahnens noch Berichts(Gott Lob!) dürfen. So schadet es doch nicht, daß viel mit einan-der stimmen, und dem Teufel desto starcker begegnen. Denn eskann freylich nicht wohl fehlen, daß in einer solchen großen Stadt