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3 (1827)
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202
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202 Daß Eltern die Kinder zur Ehe nicht zwingen ?c.

lassen, so du doch schuldig bist, Leib und Seel zeillich und ewiglichun! meinet willen in die Schanze zu geben.

Doch den schwachen Christen, die solchs Gebot Christi nichthalten können, wollt ich also rathen, daß gute Freund bey dem Für-sten, Bürgermeister, oder andern Obrigkeit suchten und erwürben,daß solchem Vater seines frevelichen Unrechts und teufelischer Ge-walt gesteuret, und das Kind von ihm errettet, und er zu rechtemBrauch vaterlicher Gewalt gezwungen würde. Denn wiewol Un-recht zu leiden ist einem Christen, so ist doch auch die weltliche Obrig-keit schuldig, solch Unrecht zu strafen und zu wehren, und das Rechtzu schützen und handzuhaben.

Wo aber die Obrigkeit auch saumig oder tyrannisch seyn wollte,wäre das die letzte Hülfe, daß das Kind flöhe in ein ander Land,und verliefst Vater und Obrigkeit, gleichwie Vorzeiten etliche schwacheChristen flohen in die Wüsten vor den Tyrannen, wie auch Uriasder Prophet flöhe in Egypten für dem Könige Jojakim, und die hun-dert Propheten, auch Elia selbst, vor der Königin Gesebel, 1- Kön.17, 5. C. 18, 4. Jerem. 26, 21- Ausser dieser dreyen Stückenweiß ich einem Christen keinen andern Rath zu geben. Die abernicht Christen sind, die laß ich hierinnen schaffen, was sie können,und was die weltlichen Rechte gestatten.

Das andere, daß ein Kind sich nicht soll verehelichen noch ver-loben, ohne Willen und Wissen seiner Eltern.

Wiewol ich davon in der Postill auch geredt habe, so muß ichsdoch hie wiederholen. Hie stehet gewaltiglich und vest das vierteGebot Gottes: Du sollt Vater und Mutter ehren und gehorsamseyn. Darum lesen wir auch kein Exempel in der gantzen Schrift,daß sich zwey Kinder selbst mit einander verlobet haben, sondern alle-mal geschrieben stehet von den Eltern: Gebet euern Töchtern Man-ner und euren Söhnen Weiber. Jer. 29, 6. und 2. Mos. 21, 9.saget Moses: Wo der Vater dem Sohn ein Weib gibt:c. Alsonahmen Jsaac und Jacob Weiber aus vaterlichem Befehl. 1. Mos.24, 1 :c. Cap. 29, 23. 28.

Daher auch der Brauch kommen ist in aller Welt, daß dieHochzeiten oder Wirthschaften öffentlich, mit Wohlleben und Freudenausgerichtet werden, damit solche heimliche Gelübde verdammt wer-den, und der Ehestand mit Wissen und Willen beyder Freundschaftbestätiget und geehrec wird. Denn auch Adam, der erste Braurigam,seine Braut Heva nicht selber nahm, sondern, wie der Text klarlichausdrückt: Gott brachte sie zuvor zu ihm, und also nahm er sie an.1. Mos. 2, 22.