Druckschrift 
3 (1827)
Entstehung
Seite
201
Einzelbild herunterladen
 

Daß Eltern die Kinder zur Ehe nicht zwingen :c. 20 r

nicht widerstehen, und zwo Meilen gehen mit dem, der eine Meilefordert, und den Mantel zum Rock fahren lassen, und auch den an-dern Backen herhalten. Daraus will folgen, daß ein Kind solle undmüsse solchem Unrecht gehorchen, und nehmen, wozu ihn solcher ty-rannischer unvaterlicher Vater zwinget.

Hierauf antworte ich: Wenn man diese Sache bey den Chri-sten handelt, so ist hie dem Dinge bald gerathen. Denn ein rechterChrist, der dem Evangelio folget, weil er bereit ist, Unrecht und Ge-walt zu leiden, es treffe auch Leib, Gut oder Ehre an, es wal rekurz oder lang, oder ewig, wie Gott will, der würde sich freylich nicktwegern noch wehren, solche gezwungene Ehe anzunehmen, und wür-de thun als einer, der unter dem Türken oder sonst in Feindes Handgefangen, müßte nehmen, welche ihm der Türke oder Feind zudringe,eben so wohl als wenn er ihn ewig in einen Kerker legt, oder aufeine Galeere schmiedet: wie wir deß haben ein tresslich Exempel andem heiligen Erzvater Jacob, dem seine Lea ward mit allem Unrechtwider seinen Willen zugedrungen, und er sie doch behielt, wiewol ersvor den Menschen nicht schuldig wäre gewesen, ob er sie gleich mitUnwissen beschlafen hatte; dennoch leidet und duldet er solch Unrecht,und nahm sie ohne seinen Willen. 1. Mos. 29, 23.

Aber wo sind solche Christen? Und ob Christen waren, wo sindsie, die so stark sind als dieser Jacob war, daß sie solches über ihrHerz bringen möchten? Wohlan, mir gebühret nichts zu rathen nochzu lehren, ohn was christlich ist, in dieser Sachen und allen andern.Wer diesem Rath nicht folgen kann, der bekenne feine Schwachheitvor Gott, und bitte um Gnade und Hülfe, eben sowohl, als der, dersich fürchtet und scheuet zu sterben, oder etwas anders zu leiden umGottes willen, daß er doch schuldig ist, und zu schwach sich fühlet,dasselbe zu vollbringen, denn da wird nichts anders aus, das WortChristi muß bleiben. Sey zu Willen deinem Widersacher, weil dumit ihm auf dem Wege bist. Matth. Z, 25.

Es will auch nicht helfen die Ausrede, ob man wollte sagen,aus solcher gezwungener Ehe würde kommen Haß, Neid, Mord, undalles Unglück; denn Christus wird bald dazu antworten: Da laßmich für sorgen, warum trauest du mir nicht? Gehorchest du mei-nem Gebot, so kann ichs wokl machen, daß der keines kömmt, daßdu fürchtest, sondern alles Glück und Heil; willt du auf Ungewißzukünftig Unglück mein gewiß unglücklich Gebot übertreten? Oderwillt du Uebel thun, auf daß Gutes geschehe? Welches Paulus ver-dammt. Röm, 3, 3. Und ob gleich gewiß Unglück künftig unsIchon vorhanden da wäre, solltest du um deßwillen mein Gebot nach-