200 Daß Eltern die Kinder zur Ehe nicht zwingen :c.
ewige Hölle, und alles Unglück das ganze Lebenlang. Nun sprichtSt. Paulus 2. Cor. 10,13.: daß auch die allerhöchste Gewalt, nem-lich das Evangelium zu predigen, und die Seelen zu regieren, seynicht von Gott gegeben zu verderben, sondern zu bessern. Wie vielweniger sollte denn die Gewalt der Eltern oder irgend eine andereGewalt gegeben seyn, zu verderben, und nicht allein vielmehr zu bes-sern? Darum ist das gewiß, daß vaterliche Gewalt ein solch Zielund Maß hat, daß sie nicht weiter sich strecket, denn so ferne sie demKinde ohne Schaden und Verderben, sonderlich der Seele sey. Wennnun ein Vater sein Kind zur Ehe dringet, da das Kind nicht Lustnoch Liebe hin bat, da trit er über, und übergehet seine Gewalt, undwird aus dem Vater ein Tyrann, der seiner Gewalt braucht, nichtzur Besserung, dazu sie ihm gegeben ist von Gott, sondern zumVerderben, dazu er sie ihm selbst nimmt ohne Gott, ja wider Gott.
Desselben gleichen, wo er sein Kind verbindert, oder zulaßt ge-hen, daß er ihm nicht gedenkt zur Ehe zu helfen, als sichs wol be-gib: zwischen Stifvater und Kindern, oder zwischen Warfen undVormunden, da der Geitz mehr trachtet nach des Kindes Gut, dennnach seiner Nothdurft, da ist wahrlich das Kind frey, und mag thun,als wäre ihm sein Vater und Vormünder todt, sein Bestes geden-ken, sich in Gottes Namen verloben und versorgen, aufs beste eskann.
Doch sr ferne, daß das Kind den Vater zuvor darum ersuche,oder ersuchen und ermahnen lasse, daß es gewiß sey, wie der Vateroder Freunde nichts wollen dazu thun, oder mit vergeblichen Wor-ten immer und immer aufziehen; denn in solchem Fall laßt der Va-ter seine Pflichr und Gewalt anstehen, und gibt das Kind in Ge-fahr seiner Ebre oder Seele, darum bat er verdient, und ist billig,daß man nach ihm auch nicht frage, der nach deiner Ehre und Seelenicht fraget. Sonderlich dienet biß daher, wo die Freunde sich sper-ren, den aanen Nonnen zu helfen zur Ehe, wie sie jetzt thun, undfreyen weder nach Ehre noch Seele ihres Gelübds; daß da ist gnug,ihnen angesagt, und darnach immerfort in die Ehe, im Namen Got-tes, Freunde zürnen oder lachen darum. Aber der gröste Knote indieser Frage ist der: Ob ein Kind schuldig sey, dem Vater gehorsam zuseyn, der es zur Ehe oder zu der Person dringet, da es nicht Lust zuhat. Denn, daß der Vater daran unrecht, und als ein Teufel oderTyrann thut, nicht als ein Vater, ist leichtlich beschlossen und ver-standen; aber ob das Kind solche Gewalr und Unreebt leiden solle,und solchem Tyrannen folgen, da flösset es sich, weil Cbrisius Matth.5, 39. 40. 41. öffentlich und dürre gebeut: Man solle dem Bösen