Druckschrift 
3 (1827)
Entstehung
Seite
199
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D. Martin Luthers Rath, daß Eltern die Kinder zurEhe nicht zwingen noch hindern, und die Kinder ohneder Eltern Witten sich nicht verloben sollen.

Er schuf sie ein Männlein und Fräulein, 1. Mos. 1, 27.

Dem Gestrengen und Besten, Hanns Schotten, Ritterec. Meinemlieben Herrn und Freunde.

Martinus Luther.

^nade und Friede in Christo, unserm Herrn und Heiland.

Gestrenger lieber Herr und Freund! Da ich vom ehelichen Le-ben anfing zu schreiben, besorgte ich wohl, es würde mir gehen, wiees jetzt gehet, daß ich mehr damit würde zu schassen gewinnen, dennsonst mit meiner gantzen Sachen, und wenn man sonst nirgend anspüren könnte, daß der eheliche Stand so göttlich wäre, möchte alleindas gnug seyn, daß sich der Welt Fürst, der Teufel, so mannigfaltigdarwider sperre, wehret mit Händen und Füssen, und allen Kräften,daß ja der Hurerey nicht weniger, sondern mehr werde.

Ich habe vorhin geschrieben, wie der Eltern Gehorsam so großsey, daß ein Kind ohne ihr Wissen und Willen sich nicht verlobennoch verehlichen solle, und wo es geschähe, die Eltern Macht haben,solches zu zerreissen. Nun fahren die Eltern herum zu sehr aufdiese Seite, und sahen an, ihre Kinder zu hindern und aufzuhaltennach ihrem Muthwiilen, und (wie ihr mir neulich auch ein Stückerzehlet) zu zwingen, die oder den zu nehmen, da keine Lust nochLiebe hin zeugt, daß ich abermal hie meinem Rath und gute Mey-nung gezwungen werde auszulassen, ob jemand sich darnach richtenund trösten möchte. Hiermit Gottes Gnaden befohlen. Amen.

Das erste, daß die Eltern die Kinder zur Ehe zu zwingen keinRecht noch Macht haben.

Es ist gar viel ein anders, die Ehe hindern oder wehren, undzur Ehe zu zwingen oder dringen: und ob die Eltern gleich im er-sten, nemlich die Ehe zu wehren, Recht und Macht hätten; so fol-get daraus nicht, daß sie auch Macht haben, dazu zu zwingen; dennes ist ja leidlicher, daß die Liebe, so zwey gegen einander haben, zu-trennet und verhindert werde, denn daß zwey zusammen getriebenwerden, die weder Lust noch Liebe zusammen haben; sintemal dorteine kleine Zeit lang Schmerzen ist, hie aber zu besorgen ist eine