Druckschrift 
3 (1827)
Entstehung
Seite
198
Einzelbild herunterladen
 

198 Etliche Fabeln Aesopi, von Luthers verdeutscht.

Es hat nun keine Noch, laß uns guter Ding seyn. Die Feldmausantwortet: Du hast gut sagen, du wußtest dein Loch fein zu treffen,dieweil bin ich schier vor Angst gestorben. Ich will dir sagen, wasdie Meynung ist. bleibe du eine reiche Stadtmaus und friß Würsteund Speck, ich will ein armes Feldmauslein bleiben, und meine Ei-cheln essen: Du bist keinen Augenblick sicher für den Kellner, fürd.n Katzen, für so viel Mausefallen, und ist dir das ganze Hausfeind, solches alles bin ich frey und sicher in meinem armen Feld-löchlein.

In grossen Wassern sähet man grosse Fische,

Aber in kleinen Wassern fabet man gute Fischlein,

^Neider >

Wer reich ist, hat viel (Sorge !

lFahr 1

13. Vom Raben und Fuchse.

Ein Rabe hatte einen Kase gestohlen, und satzte sich auf einenhohen Baum, und wollte zehren; als er aber seiner Art nach nichtscl'weigen kann, wenn er isset, höret ihn ein Fuchs über dem Kasekeken, und lief zu und sprach: O Rab, nun Hab ich mein Lebtagkeinen schönern Vogel gesehen an Federn und an Gestalt, denn dubist. Und wenn du auch eine so schöne Stimme hattest zu singen,so sollte man dich zum König krönen über alle Vögel, Den Rabenkutzelce solch Lob und Schmeicheln, sing an, wollte seinen schönenGesang hören lassen, und als er den Schnabel aufthat, entfiel ihmder Kase, den nahm der Fuchs behend, fraß ihn, und lachte des thö-rigten Raben,

Hüt dich, wenn der Fuchs den Naben lobt.

Hüte dich für Schmeichlern, sie schinden und schaben.