Druckschrift 
3 (1827)
Entstehung
Seite
194
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194 Etliche Fabeln Aesopi, von Luthers verdeutscht.

verlor das Schaf seine Sache, und mußte mit Schaden zur uneb-nen Zeit seine Wolle angreifen, damit es das Brod bezahlet, das esnicht schuldig worden war.

L e h r

Hut dich vor bösen Nachbarn, oder schicke dich auf Geduld,willst du bey Leuten wohnen. Denn es gönnet niemand dem an-dern etwas Guts; das ist der Welt Lauf.

5. Gel tz.

Vom Hunde im Wasser.

Es lief ein Hund durch einen Wasserstrom, und hatte einStück Fleisch im Maule, als er aber den Schämen vom Fleisch imWasser stehet, wähnet er, es wäre auch Fleisch und schnappet gierigdarnach. Da er aber das Maul austhät, entfiel ibm das StückFleisch, und das Wasser führets weg, also verlor er beydes, das Fleischund Schämen.

Lehre.

Man soll sich begnügen lassen an dem, das Gott giebt; werdas wenige verschmähet, dem wird das grössere nicht; wer zu vielhaben will, der behält zuletzt nichts; mancher verleuret das Gewisseüber dem Ungewissen.

6. Frevel, Gewalt.

Es gefetteten sich ein Rind, Ziegen und Schaf zum Löwen,und zogen mit einander auf die Jagd in einem Forst. Da sie nuneinen Hirsch gefangen, und in vier Theil gleich getheilet hatten,sprach der Löwe: Ihr wisset, daß ein Theil mein ist, als eures Ge-sellen; das ander gebührt mir, als einem Könige unter den Tbieren;das dritte will ich haben darum, daß ich stärker bin, und mehr da-nach gelaufen und gearbeitet habe, denn ihr alle; wer aber das viertebaben w'll, der muß mirs mit Gewalt nehmen. Also mußten diedrei für ihre Mühe das Nachsehen und den Schaden zu Lohn ha-ben ^