192 Etliche Fabeln Zlesopi, von Luthers verdeutscht.
verfuhren laßt, daß ihm gehe, wie dem Frosch an der Maus gebun-den, in der dritten Fabel, die der Weyhe alle beyde fraß, und so fort-an in den andern Fabeln mit Lieb, mit Leid, mit Dräuen undLocken, wie man vermag, ohne daß wir müssen das untere bey ih-nen thun.
1. Thor he it.
Vom Hahn und Perlen.
Ein Hahn scharret auf dem Miste, und fand eine köstlichePerlen; als er dieselbige im Koth so liegen sähe, sprach er: Siehe,du feines Dinglein, liegst du hie so jammerlich, wenn dich ein Kauf-mann fände, der würde dein froh und du würdest zu grossen Ehrenkommen, aber du bist mir, und ich dir kein nütze, ich nehme einKörnlein oder Würmlein, und ließ einem alle Perlen, magst bleibenwie du liegst.
Lehre.
Diese Fabel lehret, daß biß Büchlein bey Bauren und grobenLeuten unwerth ist, wie denn alle Kunst und Weisheit bey denselbi-gen veracht ist, wie man spricht: Kunst gehet nach Vrod; sie war-net aber, daß man die Lehre nicht verachten soll.
2. Haß.
Vom Wolf und Lammlein.
Ein Wolf und Lammlcin kamen ohngefahr beyde an einenBach zu trinken, der Wolf trank oben am Bach, das Lammlein aberfern unten. Da der Wolf des Lammleins gewahr war, lief er zuihm und sprach: Warum trübest du mir das Wasser, daß ich nichttrinken kann? Das Lammlein antwortet: Wie kann ich dirs Was-ser trüben, trinkest du doch über mir, und mochtest es mir wol trü-ben? Der Wolf sprach: Wie? fluchest du mir noch dazu? DasLammlein antwortet: Ich fluche dir nicht. Der Wolf sprach: Sohast du mir aber meine Wiesen und Aecker abgenaget und verder-bet. Das Lammlein antwortet: wie ist das möglich, Hab ich dochnoch keine Zahne? Ey, sprach der Wolf, und wenn du gleich viel