Etliche Fabeln Ztesopi, von Luthero verdeutscht. 191
und Warnung, unter der lieblichen Gestalt der Fabeln, gleichwie ineiner Mummerey oder Spiel, desto lieber lerne oder vester behalte.Denn wir gesehen haben, welch ein ungeschickt Buch aus dem Ae-sopo gemacht haben, die den Deutschen Aesopum, der vorhanden ist,an Tag gegeben haben, welche wol Werth waren einer grossen Strafe,als die nicht allein solch fein nützlich Buch zu schänden und unnützgemacht, sondern auch viel Zusatz aus ihrem Kopf hinzugethan; wie-wol das noch zu leiden wäre.
Darüber so schandliche unzüchtige Bubenstück darein gemifchet,daß kein züchtig, fromm Mensch leiden, zuvor kein jung Mensch ohneSchaden lesen oder hören, grad als hatten sie ein Buch in das ge-meine Fraucnhaus, oder sonst unter lose Buben gemacht; denn siehatten nicht den Nutz und Kunst in den Fabeln gesucht, sondern al-lein eine Kurzweil und Gelachter daraus gemacht, gerade als hattendie hochweisen Leute ihren treuen großen Fleiß dahin gericht, daßsolche leichtfertige Leute sollten ein Geschwätz und Narrenwerk ausihrer Weisheit machen. Es sind Säu und bleiben Sau, vor dieman ja nicht sollte Perlen werfen.
Darum so bitten wir alle fromme Hertzen, wollen denselbigenDeutschen Aesopum ausrotten, und diesen an seine statt gebrauchen;man kann dennoch wol fröhlich seyn, und solcher Fabel eine desAbends über Tisch mit Kindern und Gesinde nützlich und lustiglichhandeln, daß man ihm nicht darf so schampar und unvernünftigseyn, wie in den untüchtigen Tabernen und Wirthshäusern; dennwir Fleiß gethan haben, eitel feine, reine, nützliche Fabeln in einBuch zu bringen, darzu die Legenda Aesopi.
Was sonst Nütz und nicht schädliche Fabeln sind, wollenwir mit der Zeit auch, so Gott will, leutern und fegen, damit esein lustiger und liebreicher, doch ehrbarer und züchtiger und nützlicherAesopus werde, deß man ohne Sünde lachen und gebrauchen könn-te, Kinder und Gesinde zu warnen und unterweisen auf ihr zukünf-tiges Leben und Wandel, daher er denn von Anfang erdichtet undgemacht ist.
Und daß ich ein Exempel gebe, der Fabeln wohl zu gebrauchen,wenn ein Hausvater über Tisch will Kurzweil haben, die nützlich ist,kann er sein Weib, Kind, Gesind fragenWas bedeutet diese oderdiese Fabel? und beyde sie und sich darin üben. Als die fünfte Fa-bel, vom Hund mit dem Stück Fleisch im Maul, bedeutet, wenn ei-nem Knecht oder Magd zu wohl ist, und wills bessern, so gehts ihm,wie dem Hund, daß sie das gute verlieren, und jenes bessere nichtkriegen. Item, wenn sich ein Knecht an den andern hängt, und sich