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Etliche Fabeln Aesopi, von Luthero verdeutscht.Samt einer Vorrede.
A)iß Buch von den Fabeln oder Mahrlein ist ein hochberühmt Buchgewesen bey den AUergelehrtesten auf Erden, sonderlich unter denHeyden. Wiewol auch noch jetzund, die Wahrheit zu sagen, vonäußerlichem Leben in der Welt zu reden, wüßte ich, ausser der Heil.Schrift, nicht viel Bücher, die diesem überlegen seyn sollten, so manNutz, Kunst und Weisheit, und nicht hochbedachtig Geschrey wolltansehen: Denn man darin unter schlechten Worten und einfaltigenFabeln die allerfeineste Lehre, Warnung und Unterricht findet (wersie zu brauchen weiß), wie man sich im Haushalten, in und gegender Obrigkeit und Unterthanen schicken soll, auf daß man klüglich undfriedlich unter den bösen Leuten in der falschen argen Welt lebenmöge.
Daß mans aber dem Aesopo zuschreibet, ist, meines Achtens,ein Gedicht, und vielleicht nie kein Mensch auf Erden Aesopus ge-heißen; isondern ich halte, es sey etwa durch viel weifer Leute Zu-thun, mit der Zeit Stück nach Stück zu Haufen bracht, und end-lich etwa durch einen Gelehrten in solche Ordnung gestellt, wie jetztin Deutscher Sprache etliche möchten die Fabeln und Sprüche, sobey uns im Brauch sind, sammlen, und darnach jemand ordentlichin ein Buch fassen, denn solche feine Fabeln in diesem Buch ver-mögt jetzt alle Welt nicht, schweig denn ein Mensch, erfinden. Dar-um ist glaublicher, daß etliche dieser Fabeln fast alt, etliche noch al-ter, etliche aber fast neu gewesen sind, zu der Zeit, da diß Büchleingesammlet ist, wie denn solche Fabeln pflegen von Jahr zu Jahr zuwachsen, und sich mehren, darnach einer von seinen Eltern höret undsammlet.
Und Quintilianus, der grosse scharfe Meister über Bücher zuurtheilen, Halts auch dafür, daß nicht Aesopus, sondern der Allerge-lehrtesten einer in Griechischer Sprache, als Hesi'odus oder beglei-chen, dieses Buchs Meister sey: Denn es dünket ihn, wie auch bil-lig, unmöglich seyn, daß solcher Tölpel, wie man Aesopus mahletund beschreibet, sollte solch Witz und Kunst vermögen, die in diesemBuch und Fabeln funden wird, und bleibt also diß Buch eines un-bekannten und unbenannten Meisters. Und zwar, es lobet und prei-