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„Der Glaube an Christum machet allein vor Gott
gerecht."
Aie Kinder sind mit Gott am besten dran, ihres Lebens und Glau-bens halben. Wir alten Narren plagen uns selbst und haben dasHertzeleid mit unserm Disputiren über dem Wort: obs wahr sey?wie es möglich sey? welches sie mit einfaltigem, reinem Glauben fürgewiß und wahr halten, und nicht dran zweifeln. Wollen wir nunselig werden, so müssen wir, ihrem Exempel nach, uns allein aufsblosse Wort geben. Aber der böse, listige Geist, der Teufel, kannuns, ehe wirs gewahr werden und uns besorgen, dasselbige meister-lich entziehen, weil immerdar neue Sachen und Geschaffte vorfallen,damit wir zu thun haben; darum ists am besten, nur bald gestor-ben und zugeschorren.
Item, da einer sagete, sein Töchterlein von vier Jahren redeteoft mit fröhlicher Zuversicht von Christo, von den lieben Engeln undewiger Freude im Himmel:c., und da er einst zum Töchterleinsprach: O liebes Kind, wer es nur fest glauben könnte; darauf esden Vater gleich ernstlich gefraget: ob ers denn nicht glaubte? sagtev. Martinus darauf: Die lieben Kindlein leben in Unschuld, wissenvon keiner Sünde, leben ohne Neid, Zorn, Geitz, Unglauben :c,. sindderhalben fröhlich und haben ein gut Gewissen, fürchten sich vor kei-ner Gefahr, es sey Krieg, Pestilentz, Tod ?c., nehmen einen Apffelfür einen Groschen. Und was sie hören von Christo, vom zukünfti-gen Leben, das glauben sie einfaltig, ohne allen Zweifel, und redenfröhlich davon. Daher auch Christus uns Alte ernstlich anredet, ih-rem Exempel nachzufolgen, da er spricht, Marc. 10, 15.: Es seydenn, daß ihr euch umkehret und werdet wie die Kinder, so werdetihr ins Himmelreich nicht kommen. Denn die Kinderlein glaubenrecht, und Christus hat darum die Kinder und ihre kindische Possenlieb. Dagegen ist er der Welt Weisheit feind. Matth. 11, 25.
Des rechten, wahrhaftigen Glaubens, der sich allein an Chri-stum halt, Art und Gewohnheit ist nicht, daß er viel disputirens undfragens davon machet, ob du viel guter Wercke gethan habest, da-durch du mögest gerecht werden, oder, ob du viel Sünden gethan ha-best, dadurch du mögest verdammet werden; sondern also schleußt und