Druckschrift 
3 (1827)
Entstehung
Seite
73
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Der Glaube an Christum machet allem vor Gott gerecht. 73

halt er stracks aufs einfaltigste und gewisseste: Wenn du gleich vielguter Wercke gethan,, bist du darum vor Gott dadurch nicht gerecht;und wiederum: Wo du gleich grosse Sünde gethan hast, so bist dudarum nicht verdammet.

Ich will aber hiermit die guten Wercke nicht lästern noch Un-ehren, verboten noch verworfen haben, viel weniger will ich Sündeloben; sondern das sage ich: Wer vor Gottes Gericht bestehen undein Kind der Gnade erfunden werden will, der soll und muß alleinachten und Fleiß haben, wie er Christum durch den Glauben er-greissen und behalten möge, auf daß er ihm nicht unnütze werde,wenn er sich unterstünde, durchs Gesetz gerecht, fromm und seligzu werden. Denn allein Christus macht mich gerecht, ohne allemeiner Wercke Zuthun und ohne alle meiner Sünden Verhinderung.Wenn ich also von Christo halte und glaube, so habe ich den rech-ten Christum gefasser, und behalte ihn. Wenn ich aber halte, erfordere von mir, daß ich die Wercke des Gesetzes halten soll, derMeynung, daß ich dadurch sollte gerecht werden vor Gott: so ist ermir schon allerdings unnütze worden, und habe ihn gar verloren.

Warum brauchen die Christen der Vernunft, weil man sie inGlaubenssachen muß zuschliessen und beyseits thun, als die sie nichtallein nicht verstehet, sondern auch dawider ist und strebet; darumtaugt sie auch nichts in rechten frommen, gottseligen Christen, ja,hindert mehr? Darauf antwortete Doctor Luther: Die Vernunftist vor dem Glauben und Erkenntniß Gottes, ehe ein Mensch neugeboren wird, eitel Finsterniß, weiß und verstehet nichts in göttli-chen Sachen; aber in einem Glaubigen, der nun vom HeiligenGeist durchs Wort neu geboren und erleuchtet ist, da ist sie einschön, herrlich Instrument und Werckzeug Gottes. Denn gleichwiealle Gaben Gottes und natürliche Instrumente und Geschicklichkei-ten an Gottlosen schädlich sind, also sind sie an den Gottseligen heil-sam. Vernunft, Wohlredenheit, Sprachen ?c., fördern und dienenalsdenn dem Glauben, da sie zuvor, vor dem Glauben, hinderten.Die erleuchtete Vernunft durch den Glauben empfahet Leben vomGlauben, denn sie ist nun getödtet und wieder lebendig gemacht.Gleichwie unser Leib am lichten Tage, wenns hell ist, besser undsicherer, auch fertiger aufstehet, sich beweget, gehet, webet ?c., dennin der Nacht, wenns finster ist: also ist auch die Vernunft nunanders gesinnet, als die nicht mehr so hart wider den Glauben nunvielmehr. Also auch, die Zunge, die zuvor eine Gotteslästerin war,rühmet, lobet und preiset Gott und seine Gnade, wie meine Zungesitzt eine andere Zunge ist, denn vorhin im Pabstthum; jetzund ist

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