Won der Sünde. <59
Wer nun Vergebung der Sünden glauben kann, der ist ein seligerMensch.
I). M. Luther sagete einmal über Tisch, daß es ein zart, schwachDing wäre um ein böses Gewissen, denn es könne sich nicht ber-gen; wie auch die Heyden davon gesaget haben: Ein böses Gewissenziehet alles, was geredt wird, immer auf sich. Und erzählete I). Lu-ther darauf diesen Possen: Es wäre einer in eine Herberg eingekeh-ret und darinnen übernachten wollen, der hatte gerne pflegen zu steh-len. Wie nun der Gast und Wirth zu Tisch sitzen, da fanget dasLicht an zu rinnen, denn ein Knote im Dacht gewesen war. Daweisete der Wirth mit der Hand aufs Licht und schreyet: Ein Dieb,Dieb. Der Gast, so ein Dieb war, springet vom Tisch hervor,nimmt sich der Worte an, und wollte den Wirth schlagen; dahintrieb ihn sein Gewissen. Denn, wäre er kein Dieb gewesen, so hätteer sich an diese Worte nicht gekehret.
Da am dritten Sonntage nach Trinitatis des Evangelii vomguten Hirten, der das verlorne Schäflein suchte, gedacht ward, sprachI). Martinus: O wie gar ein schön, tröstlich Evangelium ist dochdas, in dem sich der Herr Christus selber abmalet, was er vor einHertz zu uns armen Sündern habe, und wie gar nichts wir zu un-serer Seligkeit selbst zu thun vermögen. Denn gleichwie sich dasSchaf selbst nicht verwahren, noch vorsehen kann, daß es nicht irrewerde, wo es der Hirte nicht immerdar weiset und leitet. Ja, wennes verirret und verloren ist, kann sichs nicht selbst wieder finden,noch zu seinem Hirten kommen; sondern der Hirt selbst muß ihmnachgehen und so lang suchen bis ers findet; ohne das mußte esewig in der Irre gehen und verloren seyn. Und wenn ers fundenhat, muß ers auf seinen Rücken fassen und tragen, daß es nichtwieder von ihm abgeschreckt, verirret oder vom Wolfe erhaschet werde.
Also können wir uns auch weder helfen noch rathen, daß wirzu Ruhe und Friede des Gewissens kommen mächten, und dem Teu-fel, Tod und Hölle entlausten, wo uns nicht Christus selber durchsein Wort wiederholet und zu sich ruffet. Und so wir zu ihm kom-men und im Glauben sind, vermögen wir uns doch nicht selbst darinnzu erhalten, noch zu bestehen, wo er uns nicht selbst immer durchdasselbige sein Wort und Kraft hebt und trägt, weil der Teufel al-lenthalben und ohne Unterlaß auf uns lauret und umher schleicht,als ein brüllender Löwe, (wie St. Petrus sagt 1. Epist. 5, 8.), daßer uns fresse. Daß doch hie gar nichts gilt, etwas von unscrm
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