Druckschrift 
3 (1827)
Entstehung
Seite
60
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6(1 Vom freyen Willen.

freyen Willen oder Kräften zu rühmen, weder anzusehen, noch fort-zufahren und darbey zu bleiben, sondern Christus, unser Hirte, mußallein alles thun.

Vom freyen Willen.

^iebe Herren, sprach v. M. Luther, unsere Lehre, daß der freyeWille todt und nichts sey, stehet gewaltiglich in der Schrift gegrün-det. Ich sage aber vom freyen Willen gegen Gott und in der See-len Sachen. Denn was sollte ich viel disputiren vom freyen Wil-len, der über Kühe und Pferde, über Geld und Gut regieret? Ichweiß fast wohl, daß 1. Mos. 1, 28. Gott den Menschen hat Herr-schaft gegeben über Vieh und Erden :c. Solches geHort hiehernicht.

Wenn nun gleich kein Spruch wäre, denn der einige, St. Pau-lus 2. Tim. 2, 26.: Sie sind des Teufels Gefangene nach seinemWillen: so hatten wir eben damit Schrift und Grund genug. Denn,dem Teufel gefangen seyn, ist wahrlich keine Freyheit, und sonder-lich, weil sie also gefangen sind, daß sie nach seinem Willen lebenmüssen. Da muß der liebe freye Will? gewißlich des Teufels Willeseyn, denn nach demselbigen müssen sie leben als seine Gefangene.Das ist klärlich hier St, Pauli Lehre. Und Christus selber stim-met auch mit zu, Luc. 11, 21. 22,, da er sagt: Wenn der Starckeseinen Hof bewahret, so bleibet das Seine mit Frieden; kommt aberein Stärkerer über ihn, und überwindet ihn, so nimmt er ihm seinenHarnisch, darauf er sich verließ, und theilet seinen Raub aus. Hierzeuget ja Christus selber, daß der Teufel die Seinen mit Friede be-sitze, wo nicht der Stärckere über ihn kömmt.

Bey diesem Spruch bleiben wir, wiewol wir die That und dasWerck selbst auch vor uns haben, nemlich, daß Jesus Christus, Got-tes Sohn, durch sein eigen Blut hat uns müssen vom Teufel, Todund Sünde erlösen. Wäre nun ein freier Wille in uns, wider oderüber den Teufel, Tod und Sünde, so hatte er nicht dürfen für unssterben; und wer den Sünden kann entrinnen ohne Christo, derkann auch dem Tode wol entrinnen, denn der Tod ist der SündenStrafe, Rom. 6, 22. Aber es ist noch kein Mensch erfunden, der