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3 (1827)
Entstehung
Seite
57
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Won der Sünde. 57

daß unsere Sünden durch sonst kein ander Mittel oder Weise konn-ten getilget werden, denn daß Gottes Sohn sich selber dafür opffere.

Menschliche Vernunft wollte gern haben, daß die Sünde nichtso groß und starck wäre, als sie Gott in der Schrift macht, sondern,daß sie sogar ein gering, ohnmachtiges Ding wäre, als sie, die Ver-nunft, selbst davon träumet. Welches sich denn an den Heuchlern,so von Christo nichts wissen, wohl ausweiset. Denn dieselben, wennsie gleich fühlen, wie die Sünde Heisset, dencken sie doch, es solle undwerde keine Noth haben, sie wollen solche Sünden mit ihren eige-nen Wercken wol tilgen, begehren derhalben stillschweigend in ih-rem Hertzen, daß diese Worte (der sich selber für unsere Sündengegeben hat,) nicht für einen rechten bittern Ernst, sondern allein füreinen lautern Schertz möchten verstanden werden, und daß sie janicht solche grosse Sünder seyn müßten, dafür Gottes Sohn sich sel-ber hätte geben müssen: und sich also nicht in rechtem Ernst, sondernallein als aus einer Demuth, mit solchen Worten für Sünder er-kenneten, daß ihre Sünden nicht rechte wahrhaftige Sünden vorGott, sondern nur allein schlechte, erdichtete Sünden geachtet wür-den.

In Summa, menschliche Vernunft ist also gesinnet, daß sieunserm Herrn Gott gern einen solchen Sünder vorstellen wollte, dermit dem Munde wol spreche: Ich bin ein Sünder, und es doch imHertzen dieweile dafür hielte, er wäre dennoch kein Sünder; der auchkeine Sünde fühlete, noch einige Sünde sich schrecken liefst, sondernder allerdings und allenthalben gantz gesund, rein und frisch wäreund keines Artztes bedürfte. Und wenn das gelten sollte, alsdennmöchte und wollte menschliche Vernunft auch gern glauben, daß Chri-stus für unsere Sünde gegeben wäre ?c.

Die menschliche Natur ist also verderbt, daß sie kein Verlan-gen hat nach den himmlischen Dingen und nach dem ewigen Leben.Gleichwie ein jung Kindlein, so auf die Welt geboren ist, nach nichtsfragt, wie es in der Welt zugehet; und wenn man ihm gleich allerWelt Schätze, Reichthum, Geld und Wohllust verheisset und an-beut, so achtet es nichts, sondern es schnappt allein nach der MutterBrüsten. Also sind wir fleischliche Menschen auch, wenn uns diePredigt des Evangelii anbeut himmlische Schätze und Güter, sodurch Christum uns erworben und verheissen sind: so achten wir der-selben nichts, trösten uns auch ihrer gar nichts, sondern wir habennur unsere Lust und Freude an den zeitlichen und vergänglichen

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