54 Bon dem Herrn Christo.
mir Juncker Satan aus dem allerholdfeligsten und freundlichstenChristo einen gestrengen Nichter, ja wol Stockmeister machen, derhinter mir mit der Keule stünde; er kann mir aus Honig eitel Essigmachen. Pfuy dich unsers Unglaubens, daß wir vor Christo alsosollen fliehen, da er doch viel ein freundlicher und gütiger Hertz zuuns hat, denn kein Bruder, Vetter und der beste Freund; und dawir vor ihm erschrecken, so ist er gewiß Christus nicht, sondern derSatan.
Liebe Herren, sprach D. Martin, laßt uns den Artickel vonder Rechtfertigung und Erlösung lieb haben und hart darüber halten,denn wenn wir den verlieren, so können wir nicht bestehen im Kampf,noch obsiegen; denn an dem einigen Stück hat es allen Ketzern undSchwärmern gefehlet. Wenn wir den nicht wohl wissen, so könnenwir wider den Teufel und das Pabstthum nicht streiten, vielwenigerobsiegen. Christus allein erhalt uns in der Wahrheit, er ist der ei-nige Gürtel, wie St. Paulus fein vermahnet und spricht: Auf daßalle Dinge zusammen verfasset würden in Christo, Ephes. 1, 10.,das ist, daß Christus das Haupt und die Summa sey in allen Din-gen, auf den alles soll gerichtet werden.
Von dem Heiligen Geiste.
ö^er Heilige Geist hat zweperley Amt: zum ersten, ist er ein Geistder Gnade, der uns Gott gnadig machet und zu lieben und ange-nehmen Kindern Gottes; zum andern, ist er ein Geist des Gebets,der für uns und die gantze Welt bittet, daß alles Uebel von uns ab-gewandt werde, und allerley Gutes uns widerfahre. Der Gnaden-geist lehret andere Leute; aber der Geist des Gebets betet, daß Got-tes Name geheiliget werde. Wunder ists, daß ein Ding auf man-cherley Weise und Art geschieht und ausgerichtet wird. Ein anderDing ists, den Heiligen Geist haben, ein anders ist es, die Offenba-rung des Heiligen Geistes; denn viel haben den Heiligen Geist vorChristi Geburt gehabt, und ist ihnen doch nicht offenbaret. Wirunterscheiden den Heiligen Geist nicht vom Glauben, er ist auchnicht dawider; denn er ist die Gewißheit selbst im Wort, der uns des