Druckschrift 
3 (1827)
Entstehung
Seite
50
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Von dem Herrn Christo.

er niemand, vielweniger aber martert und plaget er, ja verachtetauch nicht uns arme Sunder, fordert keinerley Rechenschast von unsunsers Lebens, das wir so böslich zubracht haben; sondern ist einePerson, so der gantzen Welt Sünde hinweggcnommen, durch sichselbst gecreutziget und vertilget hat.

Die Welt hebt abermal an zu wüten, unsinnig, toll und thö-richt zu werden wider Christum. Wolan, wir wollen mit demMann zu scheitern gehen und mit ihm auferstehen; wollen sehen,was sie gewinnen und wir damit verlieren werden, denn er sagt:Wo ich bin, da soll auch mein Diener seyn, Joh. 12, 26.

Wolan, wir Habens auf den Mann, den Herrn Christum, Got-tes Sohn gewaget, der wird uns gewißlich nicht lassen. Unser Leibund Leben stehet auf ihm; wo er bleibet, da werden wir auch blei-ben-, sonst weiß ich nichts, darauf ich trotzen könnte. Darum, lebetChristus, so wird er wissen, daß wir alles um seinetwillen thun undleiden, mit predigen, lehren, schreiben. Wie das auch die Welt weiß,und wir Wissens auch; auf ihn wagen wirs, er wird uns auch hel-fen; aber es muß auch brechen und kann nicht also bestehen.

Christus halt übel und gantz unweislich Haus; denn er wirdarm und ein Bettler also, daß er auch nicht hat, wo er sein Haupthinlegen könnte, leidet Hunger und Durst, Hitze und Frost, undmacht andere reich und selig.

Christi Verdienst ist ein Werck, um welches willen Christuseine Belohnung und Geschenck geheissen wird. Nun aber giebetChristus seinen Verdienst, Gaben und Gerechtigkeit aus Verheissung,die wird allein mit dem Glauben gefasset. Als wenn ein Fürst zumir sagte: Komm zu mir aufs Schloß, so will ich dir hundert Gül-den geben. Da thue ich wol ein Werck mit dem Gehen, aber diehundert Gülden, als ein Geschenck, werden mir nicht um meinesGehens, als eines Wercks willen gegeben, sondern darum, daß siemir der Fürst hat zugesaget und verheissen.

Des Herrn Christi Historie soll man auf dreyerley Weise be-dencken; zum ersten, als eine Historie und Geschichte; zum andern,als ein Gefchencke und Gabe; zum dritten, als ein Exempel und