Druckschrift 
3 (1827)
Entstehung
Seite
45
Einzelbild herunterladen
 

Bon dem Herrn Christo..

45

so sagt er: Es kann und mag nicht anders seyn, denn daß alle, sodas Gesetz nicht thun und halten, unter dem Fluch seyn müssen.Nun aber ist kein Mensch, der das Gesetz halte und thue; darumist dieser erste Spruch wahr, der da saget: daß alle Menschen unterdem Fluch sind.

Darnach setzt er den andern Spruch, der da lautet: Christushat uns erlöset vom Fluch des Gesetzes, da er ward ein Fluch füruns. Hat uns nun Christus vom Fluch erlöset, so werden wir frey-lich durch das Gesetze und die Liebe davon nicht erlöset, ja, das Ge-setz zeucht und wirft uns nur gewaltiger unter den Fluch. Darumfolget, daß die Liebe, davon die heillosen Sophisten plaudern, alsmüsse und könne die den Glauben rechtschaffen machen, von demFluch nicht erlöset, sondern stößt und dringet uns vielmehr darunter.

Gleich aber wie Christus gar viel ein ander Ding ist, denndas Gesetz und seine Wercke sind: also ist auch die Erlösung, durchChristum geschehen, gar viel ein ander Ding, denn mein Verdienst,das ich durch die Wercke des Gesetzes, oder Liebe, wie die Sophistenfürgeben, erlangen soll. Was kann ich aber viel rühnien von mei-nem Verdienst, oder Liebe, weil Christus selber für meine Sünde einFluch muß werden, soll ich anders los werden? Darum wird nichtsanders daraus, wer Christum durch den Glauben nicht ergreifst undsich deß nicht tröstet, daß er für ihn ein Fluch ist worden, der istund bleibet unter dem Fluch. Derhalben, je mehr wir mit Werckenumgehen, dadurch Gnade zu erlangen, je weniger wir Christum er-kennen und ergreiffen mögen. Wo aber der nicht erkannt und mitdem Glauben nicht ergriffen wird, da ist weder Rath, Hülfe nochTrost zu gewarten, wenn du dich gleich zu tode martertest.

Unser größter Ruhm, Ehre und Preis ist, daß wir Christumhaben, Gottes Sohn, von unserm Fleisch, doch ohne Sünde geboren,sitzend zur Rechten Gottes, des Vaters, ein Herr über alle Creatu-ren, im Himmel, auf Erden und in der Hölle. Wer ihn aber zumHerrn will haben, der wird den Teufel zum Feinde und Widersa-cher haben.

Wiewol keine Religion vor der Vernunft so narrisch und un-gereimt ist, als die Christliche: doch glaube ich an einen einigen Jü-den, der da heißt und ist Jesus Christus; der andern keinem glaubeich, denn sie sind verworfen und in einen verkehrten Sinn dahingegeben. Darum sott man vor allem andern auf der Kanzel von