Won dem Worte Gottes. 17
nicht ein einiges Wort in der heiligen Schrift genugsam ausgrün-den, wir haben und behalten nur die Erstlinge, und ob wir viel dar-innen können und verstehen, so können wir kaum das ABC, unddoch nicht recht. Wer kann sich selber erkennen, noch sehen, wie böse,verderbt und vergissest des Menschen Hertz sey, dieweil die Erbsündeso tief in uns eingewurtzelt ist? So ist auch Gottes Wille viel hö-her, denn wir mit unfern fünf Sinnen begreissen oder verstehen kön-nen. Lieber, wer kann nur diesen einigen Spruch, 1. Petri 4,13.,recht fassen: Seyd fröhlich in Betrübniß, daß ihr mit Christo leidet!da St. Petrus will, daß wir mitten in der Höhesten Angst und Nothsollen fröhlich seyn, ja gern, wie die Kinder, die Ruthe küssen.
Darum soll man die Bibel mit andern Augen ansehen, dennsonst der Juristen Bücher und andere Künste. Denn wo einer hienicht über seine Vernunft kömmet und sich selber verleugnet, der wirdin der heiligen Schrift gewißlich anlaussen.
O wie ein köstlich, edel Ding ists, sprach einmal v. Luther,Gottes Wort vor sich haben; denn derselbige kann allezeit sicher,.fröhlich und getrost seyn; er sehe aber zu, daß ers auch recht undrein habe. Ein anderer, der Gottes Wort nicht hat, der fallet inVerzweifelung, denn es mangelt ihm an der himmlischen Stimmeund Trost, und er folget seines Hertzens Eitelkeit und unnützen Ge-dancken, die ihn denn zur Verzweifelung treiben. Darum saget derPsalm 119, 21.: Verflucht seyn, die von deinem Wort abweichen,das ist, ausser dem göttlichen Wort kanns ihnen nicht wohlgehen.
Groß ist die Kraft des göttlichen Worts, darum Heisset es inder Epistel zu den Hebräern 4,12 , ein zweyschneidig Schwerdt, dennes hat zweyerley Kraft, nemlich, es schrecket und tröstet. Weil wiraber Gottes reines Wort nicht geachtet haben, noch das frische, kalteSpringwasser getruncken: so sind wir von den hellen Bornen zu denPfützen gerathen, und daraus warm, faul, stinckend Wasser gesoffen,haben die alten Scribenten und ungewissen Lehrer gelesen mit grosserMühe und Arbeit, aber mit kleinem Nutz und Frommen.
Gottes Wort ist zur Zeit des Herrn Christi und der Apostelein Lehrwort gewesen, das man allenthalben in der Welt gepredigethat. Darnach, unter dem gantzen Pabstthum, ist es nur ein leser-lich Wort gewesen, das man allein gelesen, und nicht verstanden hat.Aber nun ist es streitbar worden, das da um sich schlaget und hauet,III. ^