Tradition, sie ist eine vielleicht gutgemeinte, jedenfalls aber Willkür-liche Mönchöerfindung. Gutgemeint, denn der Schreiber der Gestakann einen fcstcrn Glauben an die Sache gehabt haben, als etwaHr. Marr; willkürlich, denn wer immer zuerst den Nock in dieUrkunde einschob, konnte nicht ohne Bewußtsein die Aenderung vollziehen.
Das Schicksal dieser Erfindung ist das gewöhnliche aller solcherMachwerke gewesen. Sie ist sehr bald verschollen, von einem oderdem andern Halbgelehrten, dem Verfasser z. B. der Llirmiicu ?an-tuleonis im dreizehnten Jahrhundert, der Cölncr Chronik oderder Mcdulla wieder aufgewärmt, in das lebendige Treiben der Volks-sagc aber zu keiner Zeit übergegangen. Hr. von der Hagen hatneuerlich die Dichtung herausgegeben, welche in dem Munde desVolkes seit dem 13. oder IT Jahrhundert über den h. Nock um-hergetragcn worden ist — wir müssen hinzusetzen, ohne daß seineErläuterungen vom wissenschaftlichen Standpunkte aus auch nur vonferne genügen könnten. In diesem Gedichte finden wir nun ganzandere Geschichten, als bei unfern modernen Apologeten.
Die Jungfrau Maria spinnt selbst den Nock aus eines LammesWolle, die Kaiserin Helena wirkt ihn ans dem Oelberg, Christuszieht ihn sogleich an und der Nock wächst mit ihm. Nach derKreuzigung schenkt ihn Hcrodes einem Juden, der ihn in einemSteinsarg ins Meer versenkt. Diesen treiben die Wogen, ein Sircnnimmt den Rock heraus, den nach Jahren ein Pilger auf demStrande findet, ihn erkennt, und sich desselben nicht würdig haltend,ihn wieder in das Meer wirft. Ein Wallfisch verschlingt ihn undträgt ihn acht Jahre lang umher. Zu dem Fischer, der den Wall-fisch fängt und die Tunica findet, ist eben König Oreudel von Trierverschlagen worden, die Jungfrau Maria sendet ihm die dreißigGoldstücke, um welche Judas den Herrn verrathen, damit kauft erden Nock vom Fischer, zieht ihn an, und ist seitdem durch die Kraftdes Nockes der gewaltigste Held. Der graue Rock macht ihn sieg-haft und unverwundbar, er heißt nach ihm überall nur der BruderGraurock. Nach vielen Fahrten bringt er ihn, che er zur letztenPilgcrung zum heiligen Grabe ausbricht, nach Trier, wo er wiederin einen Steiusarg gelegt und weiter bewahrt wird.
->) S. Pertz Archiv vii, giT Stcnzel fränkische Kaiser Ii, II. Selbsthier kann es nur späterer Zusatz sein, da da die Chronik unter 60Zdie Tuuica in Sased finde» läßt. S. Anhang Nr. 18.