Druckschrift 
[1] (1844)
Entstehung
Seite
99
Einzelbild herunterladen
 

99

Rocke für die christliche. Da Geschichte und Cultus beider einige Ana-logie darbieten, so wird man vielleicht einige Nachrichten von demselbennicht ohne Interesse lesen.

Die Macht der Poesie über ein arabisches Gcmüth war so groß,daß ein einziges lobendes Gedicht eines berühmten Dichters hinreichte,einen verachteten Mann angesehn, ein tadelndes, einen angesehenen ver-ächtlich zu machen. So unwahrscheinlich die einzelnen Anekdoten dieserArt uns erscheinen, besonders mit den angeblich so wirksamen Gedichtenverglichen: die Sache ist unbezweifelt und aus der Eigenthümlichkeitder Sprache, des Charakters und der gesellschaftlichen Verfassung derWüstensöhne erklärbar. Gegen nichts war daher Muhammed, um somehr, als er selbst kein sonderlicher Dichter war, empfindlicher, alsgegen satirische Verse, gegen Niemand unerbittlicher, als gegen ihreVerfasser, und als einst Kab, der Sohn Zuhairs, einer berühmten Dich-tcrfamilie angehörig und selbst ein berühmter Dichter, seinen Grollgegen die neue Religion in bittern Versen ergossen, wußte sich der Pro-phet nicht anders zu rächen, als daß er das Blut des Poeten frei gab.Von seinem bereits bekehrten Bruder gewarnt und nirgend Schutz fin-dend, entschloß sich Kab, dem ,,die Erde zu enge ward", sich seinemübermächtigen Gegner zu stellen, und verfaßte zu diesem Zweck einlängeres, in dem einfachsten und erhabensten Stil altarabischer Poesiegehaltenes Gedicht, in welchem er den Propheten preist, seine Unter-werfung verkündigt und die Große Muhammeds durch die Schilderungseiner eignen Furcht mit gewinnender Kunst hervorhebt. Unvermuthetvor den Propheten hintretend, reeitirt er das Gedicht; Muhammed hörtes mit steigendem Interesse, und froh, einen solchen Mund seiner Sachszu gewinnen, nimmt er bei einem Vers, in welchem er ein Licht, beidem man Helle sucht, und zugleich ein scharfes gezogenes Schwert vonden Schwertern Gottes genannt wird, seinen eignen Mantel von derSchulter und hängt ihn dem Dichter um, eine Gunst, die er sonst nichtleicht einem erzeigt hat.

Kab erlebte noch die Zeiten Muavias und widerstand dem An-sinnen desselben, ihm diese Reliquie des Propheten für eine großeSumme Geldes abzutreten. Seine Erben waren weniger schwierig underhielten den Mantel nach der niedrigsten Angabe mit 20,000 Dirhembezahlt.

7*