Druckschrift 
[1] (1844)
Entstehung
Seite
53
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Die Jungfrau Maria spinnt selbst den Nock aus eines LammesWolle, die Kaiserin Helena wirkt ihn auf dem Oelberg, Christus ziehtihn sogleich an und der Rock wächst mit ihm. Nach der Kreuzigungschenkt ihn Herodes einem Juden, der ihn in einem Steinsarg insMeer oersenkt. Diesen treiben die Wogen, ein Sircn nimmt denRock heraus, den nach Jahren ein Pilger auf dem Strande findet,ihn erkennt, und sich desselben nicht würdig haltend, ihn wieder insMeer wirft. Ein Wallfisch verschlingt ihn und trägt ihn acht Jahrelang umher. Zu dem Fischer, der den Wallfisch sängt und die Tunieafindet, ist eben König Orendel von Trier verschlagen worden, die Jung-frau Maria sendet ihm die dreißig Goldstücke, um welche Judas denHerrn verrathen, damit kauft er den Rock vom Fischer, zieht ihn an,und ist seitdem durch die Kraft des Nockes der gewaltigste Held. Dergraue Nock macht ihn sieghaft und unverwundbar, er heißt nach ihmüberall nur der Bruder Graurock. Nach vielen Fahrten bringt erihn, che er zur letzten Pilgerung zum heiligen Grabe aufbricht, nachTrier, wo er wieder in einen Steinsarg gelegt und weiter bewahrt wird.

Orendel ist nun eine in der heidnischen deutschen Mythologiewohlbekannte Figur und, wie nicht selten religiöse Vorstellungen desMittelalters, ist also auch der heilige Rock in ursprünglich heidnischeSagenkreise verwebt worden. Daß das Gedicht aus dem zwölftenJahrhundert stammt, legt") Simrock in seiner Uebersetzung desselbendar, und damit ist unser Beweis vollendet, daß der Rock in Trierschon vor 1196 gekannt, die angebliche Tradition aber über seineHerkunft vor 1512 von aller Welt ignorirt war. Das Gedicht selbstist einigemal als Volksbuch gedruckt worden , indeß hat sich seit 1512sein Inhalt nicht mehr dauernd im Mnnde des Volkes erhalten kön-nen. Einige ähnliche Geschichten curflrten noch vor einigen Monaten,um den Anfang der Ausstellung des Rockes, die wahrscheinlichvon den bei der Ausstellung von 1816 verbreiteten Erzählungenübrig geblieben sind; aber auch hier läßt sich die Wahrnehmung ma-chen, daß durch die Ucberschrift der vielen grotesken Bilderund diefür das Volk diesmal geschriebenen Bücher, die alle von der Helenareden, jene Berichte mehr und mehr verdrängt werden.

a) Nach dem Vorgang von Wackernagel und Hoffmann. S, Dessen FundgrubenI, S05. ?1Z.