Druckschrift 
[1] (1844)
Entstehung
Seite
51
Einzelbild herunterladen
 

51

gewünscht. Der Churfürst, durch dies Verlangensehr in Verle-genheit" gesetzt, habe ihm auszuweichen gesucht, ,,weil durch diebei einer frühern Eröffnung vorgefallenen Zeichen der göttlichen Miß-billigung sich eine große Ehrfurcht und heilige Scheu durch Jahrhun-derte fortgepflanzt habe, ans welcher die Erzbischöfe denselben niezeigen zu sollen geglaubt hätten". Als der Kaiser ,, durch diese undähnliche Gründe" sich nicht abweisen ließ, habe der Churfürst ,,dasDomcapitel berufen, um mit diesem zu berathen", in demGut-achten" desselben, welches dem Kaiser zu willfahren ricth,eine ArtBeruhigung" gefunden, und, umseinem besorgten Gemüthe"einenoch größere Beruhigung" zu geben, anhaltende Gebete angeordnet,daß Gott bei Hervorziehung dieses so alten Heiligthums allen Scha-den, der daraus befürchtet werden könne, gnädig abwenden möge".Darauf habe er am 1-1. April den Altar eröffnet.

Befragen wir die gleichzeitigen Quellen, so finden wir die Sacheganz anders. Enen erzählt ganz einfach und natürlich, der Kaiser habenit durch Flockmercn " (er meint damit ohne Zweifel das Gedichtvom Orendel), sondern aus alten historischen Büchern von dem hei-ligen Nock im Dom zu Trier Nachricht gehabt. Er will wissen, obder Rock wirklich da sei, und giebt dem Churfürsten Befehl nachsehenzu lassen. Dieser ist ganz bereit ihn zu suchen und läßt nun in allenKirchen und Klöstern beten, daß er gefunden werden möge. Hat erirgend eine Besorgniß gehabt, so ist es die gewesen, daß das Kleid über-haupt nicht da sei.

Auch eine andere, von Hn. Marr als seine Quelle neben Bro-wer kühn citirte Autorität ,, unser Trithemius, ein gleichzeitiger Be-richterstatter " hat von jenen Weitläufigkeiten nicht ein Wort. Nachihm will Maximilian bloß wissen, ob eS wahr sei, was in der Trieri-schen Geschichte gelesen werde, daß die Tunica Christi in dem Pe-tersaltar sei und auf seinen Befehl öffnet man, ohne daß von einerWeigerung und Capitelsitzung u. s. w. die Rede wäre, den Altar.Ebenso berichtet die Limpurger Chronik").

Der lateinische Uebersetzer Enens schaltet nach seiner erweiterndenManier in diese Geschichte den Satz ein, der Erzbischof sei ängstlich ge-

->) Die Stellen im Anhang Nr. 16 a.

4*