Und sollte Jemand so starkes Glaubens sein, diese Anmuthungenzu ertragen: Eusebius steht nicht allein, ein anderer Augenzeuge trittihm zur Seite. Ein dem Namen nach unbekannter Pilger, den seineAndacht im Jahre 333 nach Palästina trieb, hat uns ein schätzbaresReisetagebuch und Stationsverzeichniß hinterlassen, in dem er Gol-gatha und die damals noch unvollendete Kirche folgendermaßen be-schreibt 3): „Links vom Gerichtshause des Pilatus ist der HügelGolgatha, wo der Herr gekreuzigt wurde. Von dort eines StcinwurfsWeite ist die Gruft, wo sein Leib beigesetzt wurde und am dritten Tageauferstand. Dort wurde gerade aus Befehl des Kaisers Constantin eineBasiliea gebaut, ein Gebäude von wunderbarer Schönheit, das zur Lin-ken Wasserbehälter und hinter sich ein Bad hat, wo die Kinder getaustwerden." So wenig also, wie Eusebius, giebt er die leiseste Andeutungvom Kreuze. Auch er ist nicht etwa gleichgültig gegen Reliquien, imEegentheil: dies sind die einzigen Dinge, die ihn interesstren und mitder größten Andacht zählt er auf, was er in Jerusalem gesehen : diezwei, durch ihr Wunder im N. T. merkwürdigen Teiche, die Gruft,wo Salomo die Dämonen bannte (torquelmt), den Stein, den dieBau-leute verworfen haben, Salomos Palast und Cisterne, das Blut desZacharias vor dem Altar so frisch, als sei es heute erst vergossen, dieSchuhnägel seiner Mörder, in den Mormor eingedrückt wie in Wachs,das Haus desKaiphas mit der Säule, an der Christus gegeißelt wurde,Davids Palast, Pilatus Prätorium, den Stein, wo Judas Christumverrieth, die Palme, von der man bei seinem Einzüge die Aeste abbrach,dieSykomore, auf der der kleineZachäus saß. Würde er diese kümmer-lichen Reliquien so sorgfältig aufgezählt und die größeste von allen,das Kreuz, verschwiegen haben, wenn es schon da war?
Aber eben in dieser Erzählung des Pilgers liegt der Schlüssel zuder ganzen Frage. Zur Zeit der Helena zeigte man nur die Himmel-sahrtsstätte und die Geburtshöhle, höchstens noch das verschüttete Grab.Der Andrang der Pilger, die den Schauplatz so'großer Ereignisse imEinzelnen zu sehen verlangten, machte es zur Nothwendigkeit, für jedeSeene ihre Decoration inBereitschast zu haben, die unermeßliche Leicht-gläubigkeit der Christen machte dies leicht, wie man aus den obigen
tins Brief (vita III. zg) richtet sich lediglich nach dem historischen Ergebnis,nnd das folgende röv ?xk»<ovrvA'o»- zeigt schon, das nur von derGrabstätte die Rede ist.'