Wenn von den genannten vier Erfordernissen—'Form, Farbe,Stoff, Struetur — nur ein einziges nicht zutraf, so war damit schondie Nnächtheit des Trierer Rockes erklärt. Das Resultat der dargeleg-ten Untersuchung ist, daß dasselbe in keiner der vier Rück-sichten billigen Anforderungen entspricht. Mit demsel-ben Grade von Gewißheit hätte jedes beliebige alte Kleidungsstück fürdie Tuniea Christi ausgegeben werden können.
Im Jahr 1313, als man den Nieolausaltar eröffnete, fand mandarin nach Enens Bericht"): ,,Von den hoßcn vnßers lieben Herren,,Jesn cristi, dhe maria die tzarte juncksraw seine wirdige mutter hat,,gemacht." Damit sind natürlich Strümpfe gemeint. Nun bedarf eskeines Beweises, daß die alten Hebräer niemals ein solches Kleidungs-stück getragen haben. Wir sehen hier also einen groben Betrug und einschlagendes Beispiel von der Unwissenheit der damaligen TricrischenGeistlichkeit, und sind berechtigt, daraus einen Schluß auf den Werthihrer sonstigen sogenannten Traditionen zu machen.
Sollte nun aber das Trierer Kleid ächt sein, sollte es die ganzebisherige AltcrthumSkundc über den Haufen werfen, so müßte es we-nigstens mit den unwidersprcchlichsten Zeugnissen über seine Herkunftausgerüstet sein. Die Folge wird zeigen, wie kläglich es mit diesenZeugnissen aussteht.
Zunächst müßte ein untadeliges Zeugniß nachweisen, wo der Rocknach der Verloosung geblieben sei; aber dafür giebt es weder ein un-tadliges, noch überhaupt ein Zeugniß, und wohin der Rock gekommenist, weiß kein Mensch.
Jndcß was Niemand weiß, weiß Hr. Marr; er behauptet, erHa be nach einfacher Erwägung der Natur der Sache das Wahre ge-sunden^). ,,Das Kleid konnte für den Soldaten keinen Werth ha-lben; er mußte also natürlich wünschen es zu verkaufen; dagegen,,war es für den Evangelisten Johannes und Maria Magdalena
s) Bl. 4Z b. Schcckmann l»I. SO a. übersetzt dies durch oalixae.b) S. IZ.