. ( 167 )
Du hast mir geboten, mich von den Lüstendes Fleisches, den Begierden der Augen undder Ehrsucht der Welt zu enthalten: ichhabe Dir gehorcht. Aber noch leben dieBilder meines vorigen unordentlichen Lebensin meinem Gedächtniß, sind kraftlos, wennsie mir wachend vorkommen, und vergnü-ge» mich im Schlaft bis zur Einwilligung.So viel vermögen diese Traumbilder überwich, daß mich ein falsches Gesicht, wenn ichschlaft, zu etwas beredet, was wachenddie Dinge selbst nimmermehr vermochten»Bin ich alsdann nicht mehr Ich? Istden» zwischen mir selbst und mir selbst derUnterschied in dem Augenblick des Einschla-fens und Wiederaufwachens so ungeheuergroß? Wo ist die Vernunft, die, wenn ichwache, so uncrschüttcrt widersteht? Schließtsie sich mit den Augen? Schlummert siemit den Sinnen des Korpers? Warum wi-derstehen wir doch oft selbst im Schlaft, ein-gedenk uusers Vorsatzes, jeder unordentlichenRegung? Und wenn auch das Gegcntheilgeschieht, so finden wir doch beym Erwachenunser Gewissen beruhigt, als hätten nichtwir es gethan, so schmerzlich es uns fallt,daß es geschehen sey. Ist deine Hand, oHerr ! nicht mächtig genug, auch diese Krank-heit meiner Seele zu heilen? Es