Druckschrift 
1 (1827)
Entstehung
Seite
76
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76 Predigt am Gründonnerstage.

du sündigest, und nimmst dirs gewißlich zum Gerichte. Aber hiebedencke es wohl, und mache deine Rechnung eben, wenn Gottalso dich mit seinem Gericht überfallen wird, wie es dir hernachin Ewigkeit gehen werde. Bedenckest du das, so wirst du frohwerden, daß du zur Busse greiffen, Zorn und anders fallen lassen,und dich mit deinem Gott durch diß Abendmahl versöhnen sollt.Wiederum, so du dich nicht also verstockt befindest, sondern be-kennest deine Sünde von Hertzen vor Gott, lassest dirs auch hertz-lich leid seyn, und glaubest, daß dir Gott dieselben aus Gnaden,um seines Sohns Christi Jesu willen, vergeben wollen, denn bistdu recht geschickt, und sollst kühnlich zu deinem Herrn Christosprechen: Ach Herr, ich bin ein armer Sünder, komme derhalbenjetzt zu deinem Abendmahl, daß ich möge von dir Trost empfahen.Da zweifele nicht, du wirst ihm ein werther und lieber Gast seyn;derhalben sollt du dich nicht fürchten, denn um solcher betrübter,ängstiger Hertzen willen ist dieser Tisch zubereitet, daß sie daTrost und Erquickung finden sollen. Die andern lasse sich fürch-ten, die ihre Sünden nicht fühlen, sondern mit frechem und stol-tzem Hertzen in Sünden, ohne alle Reu und ohne alle Busse undBesserung, fortfahren.

Diß Wort Pauli.- Es prüfe sich der Mensch, hat auch denalten Lehrern Ursache gegeben, daß sie gesagt haben.- OssenbarlicheSünden, welche der Richter und Hencker, nicht der Prediger,strafet, als Hurerey, Mord, Völlerey und dergleichen, die sollendie Leute hindern, daß sie nicht zum Sacrament gehen. Dassoll man aber also verstehen, wie oben gesagt, wer in solchenSünden beharren und davon nicht ablassen wollte, daß derselbesich von dem Sacrament enthalten- soll; denn er macht des Zornsnur mehr, sintemal er sich für einen Christen mit dem Sacra-mentempfahen ausgibt, und ists doch nicht, wie ibn sein Lebenüberzeuget. Wer aber in solchen Sünden gelegen ist, und nundavon ablasset, sich bessert und frömmer wird, der soll solcheSünde sich nicht lassen hindern, sondern die Absolution begehrenund das Abendmahl des Herrn empfahcn, und G tt bitten, daßer fortan sich möge besser halten. Was aber sonst tagliche Ge-brechen an uns sind, die sollen uns nicht hindern, denn wir wer-den derselben in diesem Leben allerdings nicht los; wo wir nunnicht ehe wollten zum Abendmahl des Herrn kommen, wir be-finden uns denn gar rein, würden wir uns gar davon entwöhnen,und nimmermehr dazu begehren. Davon weiß ich wohl zu sagen,was es thut, wenn man sich eine Zeitlang vom Abendmahl des