Predigt am Gründonnerstage. 76
daß sie wider den Befehl Christi vom Sacrament so lange bleiben.Darum sollten solche Leute erstlich Haß und Neid fallen lassen,von Sünden aufhören, und also durch die Geniessung des heili-gen Sacraments Trost der Vergebung der Sünden, und Starckedes Glaubens holen. Ob aber darneben noch etwa ein Fünckleinvon der Sünde oder Anfechtung glimmete, sollten sie zu Gottschreyen und bitten: Ach Herr, gib mir ein friedlich, freundlich,sanft Hertz gegen jedermann, und reinige mich um Christi willenvon allen Sünden, und mit solchem Glauben zum Abendmahldes Herrn gehen, und für diesem Spruche Pauli nicht erschrecken;denn er ist nicht von denen gesagt, die da gern wollten der Sün-den los seyn, sondern die in Sünden liegen, und wollen doch da-von nicht ablassen, ja wollen noch dazu gelobet senn, oder ihreSünde vertheidigen, wie man an den Corinthern stehet, da Pau-lus ihnen schreibet, v. 17: Ich kann euch nicht loben; zeigt da-mit an, daß sie ohne alle Busse noch dazu wollten gelobet seyn,als feine Christen. Das ist eine andere und grössere Sünde.Denn so die guten Hertzen zuweilen straucheln, und doch wieder-kehren, beten und wünschen: O daß mir Gott meine Sünde ver-geben wollte, denn ich habe ja unrecht gethan, dieselben stössetChristus nicht von diesem Abendmahl; denn da zeugen die Worte,daß er nicht gerechte und heilige Leute, sondern arme Sunder,die um ihrer grossen Sünde willen nicht wissen wo aus, bey die-sem Tische haben will; denn also spricht er, sein Leib sey für siegegeben, und sein Blut für ihre Sünde vergossen. Das müssenaber nicht schlechte noch geringe Sünder seyn, für die so eintrefflich Opffer oder Bezahlung geschehen ist. Derhalben liegt esnur an dem, daß du dich von Hertzen für einen Sünder erkennest,alsdenn hieher dich findest, und Trost und Hülfe da suchest. Weraber die Sünde nicht bekennen, noch sich bessern will, der gehöretnicht hieher. Darum spricht St. Paulus: Der Mensch prüfesich selbst, und also esse er von diesem Brod und trincke von die-sem Kelch. Nun heißt Prüfen anders nichts, denn sich wohl be-bencken, wie du geschickt seyst. Befindest du dich verstockt, daßdu von Sünden nicht ablassen willst, und dieselben dich nichtskümmern: so hast du Ursach, daß du nicht hinzugehest, denn dubist kein Christ. Da wäre nun das allerbeste, daß du von sol-chem gottlosen Wesen abließest, Reue und Leid darüber hattest,und durch rechten Glauben auf Gottes Zusagung dich wieder zuden Christen fändest, und diß Abendmahl mit ihnen brauchtest.Wo du aber solches nicht willst thun, so bleibe nur davon; denn