.58 Predigt am ersten Sonntage in der Fasten.
liche Mahlzeit hatte; denn nicht das Brod, sondern das WortGottes nähret auch den Leib natürlich, wie es alle Dinge ge-schaffen und erhalt, Ebr. 1, Z. Das andere Stück, daß gewißlichzuletzt das Brod sich finden wird, es komme auch, woher es wolle,und sollte es vom Himmel regnen, wie das Manna, da doch keineswachst noch wachsen kann. Auf diese zwey Stücke mag sich einjeglicher frey verlassen, daß er muß entweder im Hunger Brod undzu essen krigen, oder, wo nicht, so muß ihm der Hunger so leidlichund ertraglich werden, daß er gleich so fast nähret, als das Brod.
Die andere Anfechtung ist der ersten entgegen und gleich wi-dersinnisch. Diese gehet also zu, daß der Teufel uns lehret, Gottversuchen, wie er hier Christum Heisset von der Zinnen des Tem-pels herab fallen, welches nicht vonnöthen war, weil da wohleine gute Treppe war, darauf er mochte herunter gehen. Unddaß diese Anfechtung sey auf Gott zu versuchen, beweiset auchtvol die Antwort Christi, da er spricht: Es stehet geschrieben,du sollt Gott, deinen Herrn, nicht versuchen; damit er anzei-get, daß ihn der Teufel hat wollen reitzen, Gott zu versuchen.Und diese folget recht wohl der ersten Anfechtung. Denn wo derTeufel ein Hertz fühlet, das Gott vertrauet in Mangel und Noch,so läßt er bald ab von der Anfechtung des Bauchs und Geitzes,und dencket: Harre, willst du gantz christlich und gläubig sepn,ich will dir dazu helfen; fahret zu und greifst es an auf der an-dern Seite, daß sie auch gläuben sollen, da Gott nicht gebotenhat zu gläuben, noch will, da man gläuben sollte. Als wenndir Gott Brod im Hause gegeben hätte, wie er thut jährlich inaller Welt, und du wolltest desselbigen nicht brauchen, sonderndir selbst eine Noch und Mangel machen und sagen: Ey, mansoll Gott gläuben, ich will des Brods nicht essen, sondern har-ren, bis mir Gott Himmelbrod zuschicket. Siehe, das wäreGott versucht, denn er heißt da nicht gläuben, wo das vorhan-den ist, daß man darf und erwerben sollte. Wie kann mangläuben, wenn mans schon hat? Also flehest du hier, daß erChristo einen Mangel und Noth vorgibt, da doch kein Mangelnoch Noth ist, sondern zuvor eine gute Weise vorhanden ist, daßer vom Tempel kommen kann, ohne solch neu erdichtetes unnö-thiges Herabfahren. Darum führet er auch Christum auf denTempel, in die heilige Stadt, (spricht der Evangelist,) und stel-let ihn auf eine heilige Stätte. Denn er macht dem Menschensolche köstliche Gedancken, daß er meynet, er sey voll Glaubensund auf rechter heiliger Bahn, und stehet doch nicht im Tempel,