52 Predigt am Sonntage Sexagesimä.
das sind, die das Wort hören und beftändiglich daran halten, daßsie auch alles darüber wagen und lassen, welchen der Teufel das-selbe nicht nimmt, noch sie dadurch verführet, auch die Hitze derVerfolgung nicht abjaget, auch die Dornen der Wohltust und Geitzdieser Zeit sie nicht hindert, sondern Frucht bringen, daß sie anderndasselbe auch lehren, und das Reich Gottes mehren, darnach auchihrem Nächsten Gutes thun in der Liebe; darum spricht er: mitGeduld. Denn solche müssen viel leiden um des Worts willen,Schmach und Schande von den Rotten und Ketzern, Haß undNeid mit Schaden an Leib und Gut von den Verfolgern, ohnewas die Dornen und eigene Anfechtungen des Fleisches thun, daßes wohl heißt ein Wort des Creutzes: denn wer es halten soll,Creutz und Unglück mit Geduld tragen und überwinden muß. Erspricht: in feinem, guten Hertzen. Gleichwie ein Acker, der ohneDornen und Sträuchen fein gleich und räumig stehet, wie einschöner reiner Platz: also ist ein Hertz auch fein und rein, weitund räumig, das ohne Sorg und Geitz ist auf zeitliche Nahrung,daß Gottes Wort wohl da Raum findet. Gut ist aber der Acker,wenn er nicht allein fein und gleich da lieget, sondern auch fettund fruchtbar, daß er einen guten Boden hat und kornreich ist,nicht wie der steinigte oder kiesigte Acker: also ist ein Hertz, da.sguten Grund hat, und mit vollem Geist, starck, fett und gut ist,das Wort zu behalten und Frucht zu bringen mit Geduld. Dasehen wir, wie es nicht Wunder ist, daß so wenig rechte Christensind, denn der Saame fällt nicht allein in den guten Acker, son-dern nur das vierte und wenige Theil, und daß denen nicht zutrauen ist, die sich Christen rühmen und loben die-Lehre desEvangelii, gleich wie Demas, St. Pauli Jünger, der ihn zuletztverließ, 2Tim. 4,10. Item, wie die Jünger Christi Joh. 6,66.,die von ihm wichen. Denn er selbst hier rufst und spricht: WerOhren hat zu hören, der höre; als sollte er sagen: O wie wenigsind der rechten Christen; ja man darf nicht allen gläuben, dieda Christen heissen, und das Evangelium hören, es gehöret mehrdazu.
Diß alles ist uns zur Lehre gesaget, daß wir uns nickt sollenirren lassen, daß so viel des Evangelii mißbrauchen und wenigrecht fassen; wiewohl es verdrüßlich ist, denen zu predigen, dieeS so schändlich handeln, und eben wider das Evangelium treiben.Denn es ist eine Previgt, die so gemein soll gehen, daß sie auchallen Creaturen vorgetragen werde; wie Christus spricht Marci16, 15: Prediget das Evangelium allen Creaturen; und Psalm