Predigt am zweyten Sonntage nach Epiphania.
thut; ja, das noch bitterer ist, er stellet sich, als wollte er garnicht, sondern redet hart und strenge. Das siehe hier in seinerMutter; die fühlet und klaget ihm den Mangel, begehret auchHülfe und Rath von ihm, mit demüthigem und sittigem Antra-gen. Denn sie spricht nicht: Lieber Sohn, schaffe uns Wein-,sondern.- Sie haben nicht Wein. Damit rühret sie nur seineGüte, der sie sich gantzlich zu ihm versieht. Als sollte sie sagen:Er ist so gut und gnadig, daß nicht Bittens darf; ich wills ihmnur anzeigen, woran es fehlet, so wird ers von ihm selbst thun,mehr denn man bittet. Also ist der Glaube gesinnet, und bildetihm Gottes Güte also für, und zweifelt nicht daran, es sey also;darum waget ers auch, daß er bittet und seine Noth vortragt.Aber siehe, wie unfreundlich weiset er ab das demüthige Antragenseiner Mutter, die mit so großer Zuversicht solches zu ihm saget.Da siehe, wie der Glaube gestalt sey; was hat er nun vor ihm?Eitel nichts und Finsterniß; da fühlet er den Mangel, und siehstnirgend keine Hülfe; dazu wird ihm Gott auch fremd und wildund kennet sein nicht, daß eitel nichts da bleibt. Also gehet esauch zu im Gewissen, wenn wir die Sünde und Fehl an Ge-rechtigkeit fühlen; oder in Todesnöthen, da wir Mangel des Le-bens fühlen; oder in Höllenangst, da die ewige Seligkeit fehlenwill: da ist wol demüthiges Verlangen und Anklopffen, Bittenund Suchen, wie wir der Sünden, Todes und Angst los werden;so stellet er sich denn, als sollten die Sünden allererst recht kom-men und der Tod bleiben, und die Hölle nicht aufhören. Gleichwie er hier seiner Mutter thut, welcher er durch sein Abweisenden Mangel grösser und schwerer machet, denn er war, ehe sieihn darum anredet; denn nun scheinet es, als sey es gar verloren,nun der einige Trost auch hin ist, auf den sie sich in dem Man-gel verließ.
Hier stehet nun der Glaube im rechten Kampfs'; da siehe,wie seine Mutter thut und uns hier lehret. Wie hart seineWorte lauten, wie unfreundlich er sich stellet: so deutet sie den-noch das alles in ihrem Hertzen nicht auf Zorn oder wider seineGüte, sondern bleibet vest auf dem Sinn, er sey gütig, und laßtihr solchen Wahn nicht nehmen durch den Puff, daß sie ihm solltedarum auch im Hertzen die Schande anthun und ihn nicht gütignoch gnadig halten, wie die thun, die ohne Glauben sind undam ersten Stoß zurückfallen, und von Gott halten nicht weiter,denn sie fühlen, als die Pferde und Mauler thun, Ps. 32, 9.Denn wo die Mutter sich hatte lassen diese harte Worte abschrecken
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