Druckschrift 
1 (1827)
Entstehung
Seite
37
Einzelbild herunterladen
 

Predigt am zweyten Sonntage nach Epiphania. 37

euch süsse machen und das Wasser in Wein verwandeln, daßeuere Trübsal soll euere Freude und Lust seyn. Das will ichnicht auf die Weise thun, daß ichs Wasser will wegnehmen oderheissen ausgiessen; es soll bleiben, ja, ich wills allererst heisseneinschencken und voll machen, bis oben an. Denn ich will dieChristliche Ehe ihres Trübsals nicht entledigen, sondern vielmehrnoch aufladen. Hierbey laßt sich auch Christus mercken, daß erkeinen Mißfallen hat an der Kostung der Hochzeit, noch an al-lem, das zur Hochzeit gebühret, als Schmuck und fröhlich seyn,essen und trincken, wie das der Brauch und Landes Sitte fordert,welches doch scheinet, als sey es ein Ueberfluß und verlorne Kostund weltlich Ding, so fern doch, daß solches alles seine Maassehabe und einer Hochzeit ahnlich sey. Denn Braut und Bräuti-gam müssen ja geschmücket seyn; so müssen die Gaste ja auch es-sen und trincken, sollen sie fröhlich seyn.

Auf das andere, daß wir zum Evangelio kommen, sehenwir hier das Exempel der Liebe in Christo und seiner Mutter.Die Mutter dienet und ist Hausmutter, Christus ehret dieWirth-schaft mit seiner eigenen Person, mit Wunder und Geschencke;und das geschieht alles dem Bräutigam, der Braut und den Ga-sten zu gut, wie denn der Liebe und ihrer Wercke Art ist. Da-mit Christus alle Hertzen zu sich locket, ihm zu trauen, als derjedermann, auch in zeitlichem Gut, bereit ist zu helfen und nichtzu lassen, daß sie Noth sollen leiden, alle, die an ihn glauben,es betreffe zeitlich oder ewig Gut; und müßte ehe Wasser zuWein und alle Creatur verändert werden, und in das Ding sichverkehren, deß sein Gläubiger bedarf. Er muß genug haben,wer da glaubet, und niemand kann es hindern. Aber des Glau-bens Exempel ist noch wunderlicher in diesem Evangelio, da lässeters kommen bis auf die letzte Noth, daß der Mangel gefühletwird von allen, die da sind, und kein Rath noch Hülfe mehr daist. Damit ist beweiset die Art göttlicher Gnaden, daß dieselbigeniemand kann zu theil werden, der zuvor genug hat, und nochnicht seines Mangels empfindet. Denn sie speiset nicht, die vollund satt sind, sondern die Hungrigen, wie wir oft gesaget haben.Wer noch klug, starck und fromm ist, und etwas Gutes bey sichfindet, und noch nicht arm, elend, kranck, Sünder und Narr ist,der kann zu dem Herrn Christo nicht kommen, noch Gnade er-langen. Wo aber der Mangel empfunden wird, fähret er zu,und gibt nicht so bald, was man darf und begehret, sondernzeucht auf, und versuchet den Glauben und Trauen, wie er hier