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Predigt am Weih nachtstage.
Luc. 2, 1 — 14.
Voll dem Lobgesange der Engel.
Aetzt müssen wir auch den Englischen Gesang handeln. Dreyer-ley ordnen sie in diesem Gesang: die Ehre, den Frieden, das Wohl-gefallen oder guten Willen. Die Ehre geben sie Gott, den Frie-den der Erden, das Wohlgefallen den Menschen. Der guteWille oder Wohlgefallen möchte verstanden werden von dem gött-lichen guten Willen und Wohlgefallen, den er hat über dieMenschen durch Christum. Aber wir wollens lassen bleiben bcydem guten Willen, den die Menschen aus dieser Geburt haben.
Das erste ist die Ehre Gottes; da sott man auch anheben,auf daß Gott in allen Dingen der Ruhm und die Ehre gegebenwerde, als dem, der alle Dinge thut, gibt und hat, daß niemandihm selbst etwas zuschreibe, oder sich einiges Dinges annehme.Denn die Ehre gebühret niemand, denn alleine Gott, lasset sichnicht mit jemand theilen oder gemein machen. Die Ehre hatAdam durch den bösen Geist gestohlen, und ihm selbst zugeeignet,daß alle Menschen drob in Ungnaden seyn mit ihm, und ist auchnoch in allen Menschen so tief gewurzelt, daß kein Laster so tiefin ihnen ist, als die Ehrsucht. Niemand will nichts seyn odermögen, jedermann gefallet ihm selbst wohl, daher denn allerJammer, Unfried und Krieg auf Erden kömmt. Die Ehre hatChristus Gott herwicdergebracht damit, daß er uns gelehret, wiealle unser Ding nichts sey, denn eitel Zorn und Ungnade vorGott, daß wir uns in keinem Weg rühmen, noch uns selbstdarinnen Wohlgefallen mögen, sondern fürchten und schämenmüssen, als in der grössesten Gefahr und Schande, daß also un-sere Ehre und Selbstwohlgefallen zu Boden geflossen und gantznichts werde, und wir froh werden, daß wir ihr so los werden,daß wir in Christo mögen erfunden und behalten werden, wiegesaget ist. Das andere ist der Friede auf Erden. Denn zu-gleich, wie das muß Unfriede seyn, wo Gottes Ehre nicht ist,wie Salomen saget Sprüchw. 13, 10: Unter den Hoffartigen istallezeit Hader; also wiederum, wo Gottes Ehre ist, da mußFriede seyn. Warum sollten sie hadern, wenn sie wissen, daßnichts ihr eigen ist, sondern alles, was sie sind, haben und ver-