12 Predigt am zweyten Advent-Sonntage.
ewige Leben glauben. Wenn ihr sehen werdet, spricht Christus,daß es angehet, daß die Welt knacket, scheuslich anzusehen ist: soerschrecket ihr nicht, die ihr meine Jünger und Christen seyd, son-dern lasset die erschrecken, die es angehet. Aber die sichern, rohenBauern und Bürger fragen nichts darnach; und wenn schon aufeinen Tag drey Finsternissen würden, lagen sie gleichwol im Bier-hause, und söffen sich voll. Darum spricht Christus: Wenn ihrsehet, daß Himmel und Erden krachen, item, daß die Leute bösesind, und daß es alles wider den Strohm gehet, so seyd fröhlich,nehmet ein Hertz. Auf wen? Auf euch? Nein, sondern aufmich, denn ich will kommen. Es wird ein wenig schrecklich seyn;denn, soll ich die Welt erwürgen, so muß sie sauer sehen und dieAugen verkehren; aber ich bin da, erschrecket nicht, ihr sollt erlö-set werden. Das laßt uns fassen, daß wir glauben, daß unserHerr Jesus Christus gewiß kommen, und wir das ewige Lebenhaben werden. Wenn aber dieser Tag und Stunde kommenwird, wissen wir eigentlich nicht; aber doch hart hiebey könnenwir es wissen, wie der Herr sagt: Wenn dieses ansähet zu gesche-hen, so wisset, daß es nicht ferne ist; darum wir gewarnet sindauf alle Tage und Stunden. Er gibt uns ein Gleichniß von demFeigenbaum und andern Baumen; nicht ein schrecklich, scheuslichGleichniß vom Feuer, sondern ein schön, tröstlich, lieblich Gleich-niß von den Baumen. Wenn die Baume jetzt ausschlagen, sprichter, so sehet ihrs an ihnen und mercket, daß jetzt der Sommernahe ist; also auch ihr, wenn die Sonne finster wird, so sprecht:Die Baume schlagen aus; und wenn das Meer und die Wasser-wogen brausen, so sprecht: Das ist eine schöne Blüte auf denBaumen. Wozu? Daß wir sollen ewiglich erlöset werden. DieWelt soll solche Zeichen, so an Sonne, Mond, Wasser, Erden ge-schehen, für Spiesse und Helleparten ansehen. Darum sollet ihrfröhlich seyn, denn das Reich Gottes kömmt zu euch, das ihrglaubet, darauf ihr getauft seyd, darum ihr leidet, darum ihrauch ruffet und bittet.
Solches beydes sollen wir leknen, unfern Glauben zu star-cken, und uns zu warnen und zu trösten. Wenn wir sehen diemannigfaltigen Aergernisse in der Welt, sollen wir uns nichtdaran kehren, sondern hüten für allen, die dahin gehen, wieStöcke und Klötze, und solches alles nicht achten. Zu denen wirdkommen Gottes Zorn plötzlich; wir aber sollen uns freuen unddes Herrn erwarten, welcher kommen wird in den Wolcken mitseinen Engeln, und wird uns helfen von allem Jammer. Das