Druckschrift 
1 (1827)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Predigt am ersten Advent-Sonntage.

Matth. 2l, 1 9.

Von Christo, dem wahren Rönige.

Juden hatten viel schöne und herrliche Verheissungen vondem Meßia oder Christo, ihrem Könige, wie er auf Erden kom-men, ein ewig Reich anrichten und sein Volck von allem Uebelerlösen und ewig helfen sollte; wie man denn in allen Predigtender Propheten stehet, daß sie über die Maassen herrlich von demkünftigen Reich Christi reden., Solche Verheissung hatten dieJüden. Aber da fanden sich falsche Prediger und fleischliche Leh-rer, welche das Volck auf diese Meinung führeten, als sollteChristus kommen mit weltlicher Pracht und einreiten, wie sonstweltliche Könige pflegen, da es alles auf das prachtigste und köst-lichste zugehet, und sollte alsdenn aus den Jüden in aller Welteitel große, gewaltige Fürsten und Regenten machen. Wie siedenn noch heutiges Tages gedencken, wenn ihr Meßias kommenwerde, so werden sie aller Welt Herren, und die Heyden ihreKnechte seyn. Auf einen solchen Meßiam oder Christum gaffensie noch. Dafür halten sie es nicht, daß sie des Herrn Christidazu bedürfen, daß sie von Sünden und dem ewigen Tod mögenerlöset werden. Auf daß nun die Jüden gewarnet und durchsolche fleischliche Lehrer nicht betrogen würden, so hat Gott durchden Propheten Zachariam lang zuvor lassen verkündigen, Christuswürde nicht kommen als ein weltlicher König, mit großer Prachtund köstlicher Rüstung, sondern als ein armer Bettler zu Jeru-salem auf einem Esel einreiten, darin, als in der Hauptstadtdes Landes Inda, der Tempel und Gottesdienst war; wie denndie Historie des heutigen Evangelii anzeigt, daß es also geschehen,auf daß ja die Jüden sich nicht entschuldigen möchten und sagen.-Hätten wirs gewußt, daß er so ein armer König sollte seyn, wirwollten ihn angenommen haben. Denn solches hat ihnen derProphet klarlich genug angezeiget, so lange Zeit zuvor; so ist dieGeschichte auch öffentlich bev Hellem Tage geschehen, daß Christus

l »