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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
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Wellington. 229

sich beide zu gleicher Zeit denken kann. Es gicbt keine größerenKontraste als diese beiden, schon in ihrer äußeren Erscheinung. Wel-lington, das dnininc Gespenst mit einer aschgrauen Seele in einem steif-leinernen Körper, ein hölzernes Lächeln in dem frierenden Gesichte daneben denke man sich das Bild Napoleons, jeder Zoll ein Gott!

Nie schwindet dieses Bild aus meinem Gedächtnisse. Ich seheihn immer noch hoch zn Roß, mit den ewigen Augen in dem mar-mornen Jmpcratvrgcsichtc, schicksalruhig hinabblicken ans die vorbci-defiliercndcn Garden er schickte sie damals nach Rußland, unddie alten Grenadiere schauten zu ihm hinauf so schauerlich ergeben,so mitwissend ernst, so tvdesstolz

Ds, Lassan, moriimri saiukant!

Manchmal iibcrschleicht mich geheimer Zweifel, ob ich ihn wirklichselbst gesehen, ob wir wirklich seine Genossen waren, und es ist mirdann, als ob sein Bild, losgerissen aus dem kleinen Rahmen derGegenwart, immer stolzer und herrischer zurückweiche in vergangen-hcitliche Dämmerung. Sein Name schon klingt uns wie eine Kundeder Borwclt und ebenso antik und heroisch wie die Namen Alexanderund Cäsar. Er ist schon ein Losungswort geworden unter denVölkern, und wenn der Orient und der Occident sich begegnen, soverständigen sie sich durch diesen einzigen Namen.

Wie bedeutsam und magisch alsdann dieser Name erklingenkann, daS empfand ich anfS tiefste, als ich einst im Hafen von London,Ivo die indischen Docks sind, an Bord eines Ostindienfahrers stieg,> der eben ans Bengalen angelangt war. Es war ein riesenhaftes Schiff

und zahlreich bemannt mit Hindvstanern. Die grotesken Gestalten undGruppen, die seltsam bunten Trachten, die rätselhaften Mienen, diewunderlichen Leibcsbewcgungen, der wildfremde .Klang der Sprache,des Jubels und des Lachens, dabei wieder der Ernst ans einigensanftgelben Gesichtern, deren Augen, wie schwarze Blumen, mich mitabenteuerlicher Wehmut ansahen alles das erregte in mir einGefühl wie Verzauberung, ich war plötzlich wie versetzt in Schchere-zades Märchen, und ich meinte schon, nun müßten auch breitblättrigePalmen und langhttlsige Kamele und goldbcdeckte Elefanten undandere fabelhafte Bäume und Tiere zum Vorschein kommen. DerSnpercargo, der sich ans dem Schisse befand und die Sprache jenerLeute ebensowenig verstand als ich, konnte mir, mit echt britischerBeschränktheit, nicht genug erzählen, was das für ein närrisches Volksei, fast lauter Mohammedaner, zusammengewürfelt aus allen LändernAsiens, von der Grenze Chinas bis ans Arabische Meer, daruntersogar einige pechschwarze, wollhaarige Afrikaner.

Des dumpfen abendländischen Wesens so ziemlich überdrüssig,so recht enropnmiidc, wie ich mich damals manchmal fühlte, war